Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August 1906) · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August 1906)
Article
Ein Beitrag zur Statistik der Juden in Großbritannien
Date
1906-08-01
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2650397-3187651-3187660-3188932--0749-3188965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 115 — Tabelle IV. — Es starben im Alter von weniger als 15 Jahien und von mehr als 45 Jahren im Verhältnis zu je 100 zwischen 15 u. 45 Jahren Gestorbenen: Juden 1899-1903 Gesamtbevölk. von London 1891-1900 Gesamtbevölk. England u. Wales 1903 Unter Ueber 15 Jahr. 45 Jahr. Unter j Ueber 15 Jahr, j 45 Jahr. Unter : Ueber 15 Jahr.! 45 Jahr. Männer Frauen 409 162 407 j 192 246 195 251 248 239! 252 220! 275 Wir weisen zuerst auf die große Anzahl der Sterbefälle von Kindern unter 5 Jahren im Verhältnis zu den gesamten jüdischen Sterbefällen hin. Bei den Gestorbenen männlichen Juden z. B. ist das Verhältnis der unter 5 Jahren alten Gestorbenen zur Gesamtzahl der Gestorbenen wie 571 zu 1000, -während dasselbe Verhältnis bei der Gesamtbevölkerung in London 416: 1000 und in England und Wales 369 : 1000 beträgt. Bei dem weiblichen Geschlecht ist das Verhältnis ähnlich, der Unterschied im Verhältnis zu London sogar noch größer. Kürzlich wurde in der Königlichen Kommission für die Einwanderung von Ausländern von einer Seite aus diesen Ziffern gefolgert — und diese Folgerung soll von einem erfahrenen Statistiker unterstützt worden sein — daß sie eine abnorm hohe Kindersterblichkeit darstellen. Diese Folgerung, die angesichts der häufigen lobenden Äußerungen über die Sorgfalt der jüdischen Mütter seitens aller Bezirksärzte, die Gelegenheit hatten, dies zu beobachten, in Erstaunen setzen muß, wird durch vorstehende Ziffern jedoch nicht gerechtfertigt. Wie bewiesen werden wird, lassen dieselben ebenso gut auf eine hohe wie auf eine geringe Kindersterblichkeit schließen. Eine hinreichende Erklärung für die verhältnismäßig hohe Zahl der Sterbefälle von Kindern unter 5 Jahren könnte zum Beispiel gefunden werden in der abnorm hohen Anzahl Lebender im Alter von unter 5 Jahren, in der geringen Anzahl Lebender im vorgeschrittenen Lebensalter, sagen wir von 45 aufwärts, in einer ausnahmsweise niedrigen Sterbeziffer für Erwachsene, in einer hohen Geburtsziffer oder auch in einer Kombination von zweien oder mehreren dieser Faktoren. Unzählige Hypoj thesen könnten theoretisch zur Erklärung dieser i sonderbaren Erscheinung dienen. Die zu- | treffendste Erklärung liegt schließlich einzig j und allein in einer Antwort auf die Frage | nach der Einteilung der jüdischen Bevölkerung in verschiedene Altersstufen, wovon später die Rede sein wird. | Die obigen Resultate stimmen sehr nahe überein mit den Ziffern des Privat-Comites, welches vom Oberrabiner in London veranlaßt wurde, Nachforschungen über die Kindersterblichkeit in der jüdischen Gemeinde anzustellen. Unter 7996 von der United Synagogue in den Jahren 1889—94 vorgenommenen Beerdigungen betrug die Zahl der Beerdigungen von Kindern unter 5 Jahren 4463, d. h. 558%o« Während, wie aus Tabelle III ersichtlich, der Prozentsatz der gestorbenen Säuglinge (unter 1 Jahr alten Kinder) unter den im Alter von weniger als 5 Jahren Gestorbenen bei den Juden erheblich größer ist, als bei der Gesamtbevölkerung in London, stimmen die! Ziffern mit denen für die Gesamtbevölkerung I von England und Wales überein. Dieser Umi ° I stand scheint darauf hinzuweisen, daß die | Kindersterblichkeit in London höher ist als! bei der Bevölkerung im allgemeinen. Es wird | jedoch auch inbezug hierauf weiter unten ge- I zeigt werden, daß ein solcher Rückschluß | durch die Ziffern nicht gerechtfertigt ist. | Die Hauptschwierigkeit, zutreffende Ver- | gleiche über die Sterbefälle der Juden in den I verschiedenen Altersstufen anzustellen, wird | durch die gänzliche Unkenntnis der Anzahl I der Lebenden in den verschiedenen Alters-; stufen verursacht. Einen Begriff über den j Grad der Verschiedenheit in dieser Beziehung | kann man sich bei Durchsicht der Ziffern in j Tabelle IV machen, wo die Sterbefälle unter | 15 Jahren und von 45 Jahren aufwärts mit i der Anzahl der Sterbefälle Erwachsener im | Alter zwischen 15 und 45 Jahren verglichen | sind. Man wird finden, daß die Unterschiede I zwischen „Juden", „London im allgemeinen" | und „England und Wales" beträchtliche sind. I Auf je 100 männliche Sterbefälle zwischen! 15 und 45 Jahren kommen bei den Juden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.