Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1906)
- Article
- Der Selbstmord bei den Juden mit besonderer Berücksichtigung Bayerns
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 107 (sequence 7)
- Language
- German
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107 - oder zusammen an der Bildung der Selbstmordsquote gehabt haben; nur so viel läßt; sich mit aller Sicherheit behaupten, daß ohne Berücksichtigung des religiösen Einflusses eine auch nur einigermaßen erschöpfende Erklärung der gegebenen Zahlen ganz unmöglich ist; in den als bahnbrechend zu bezeichnenden Werken von Wagner1) „Die Gesetzmäßigkeit in den scheinbar willkürlichen menschlichen Handlungen (1864)" und Morselli3), „Der Selbstmord (1881)u ist denn auch die Erkennntnis von der hohen Bedeutung der Religion für die Bekämpfung des Selbstmords zu Tage getreten. Wagner kommt auf Grund eingehender Untersuchungen zu dem Resultat, „daß die Religion und Konfession zu denjenigen Faktoren gehört, welche ihren Einfluß auf die Selbstmordfrequenz am deutlichsten zeigen." Auch Dürkheim „Le Suicide (1897)" schreibt der Religion einen bedeutenden Einfluß auf die Erhöhung der jüdischen Selbstmordfrequenz in Deutschland zu und kommt zu dem Resultat: „L' exception prouve en effet, que si, dans les milieux instruits, le penchanfc au suicide est aggrave, cette aggravation est bien due, comme nous 1' avons dit, a Y äffaiblissement des croyances traditionelles et ä Y etat d? individualisme moral qui en resulte". Neben dieser Erkennnis darf jedoch die Betrachtung des Selbstmords als unvermeidlich sozialpathologische Erscheinung nicht vernachlässigt werden. Und gerade die Anhänger einer orthodoxen ReligionsaurYassug müssen die Erkenntnis von dem Zusammenwirken dieser verschiedenartigen Faktoren bei den deutschen und spezieil den bayrischen Juden als eine erfreuliche begrüßen; denn diese Erkenntnis berechtigt sie, sich von einem übermäßigen Pessimismus in Bezug auf die Religiosität der deutschen Juden freizuhalten, zu der die in Tabelle XI gegebene große Uebersicht leicht verleiten könnte. 1) Bes. S. 132 ff. 2) Bes.S. 179 ff, 6.285. Jahr Rein jüdische Eheschließ. Jüdische Mischehen Mann jüdisch Frau jüdisch 1901 3878 342 316 1902 3925 331 295 1903 3831 363 305 1904 4001 412 336 Im allgemeinen gehen also die jüdischen Männer häufiger Mischehen ein als die jüdischen Frauen. Um das Wachstum der jüdischen Mischehen zu zeigen, sei auf Tabelle I verwiesen: Leider läßt sich die Zahl der jüdischen Mischehen in Preußen nicht über das Jahr 1875 rückwärts verfolgen. Dagegen geht aus den Tabelle I. Die judischen Mischehen Im Deutschen Reich und die Konfessionelle Erziehung der Kinder. Von Regierungsrat Knöpf ei, Darmstadt. Die jüdischen Mischehen sind, wie die Mischehen überhaupt, in steter Zunahme begriffen, sodaß es sich der Mühe lohnt, dieser Erscheinung die nötige Aufmerksamkeit zu widmen. Die Zahl der Eheschließungen im Deutschen Reich im ganzen wird nach der Konfession der Eheschließenden erst seit dem Jahr 1901 veröffentlicht und gestaltete sich seitdem folgendermaßen: Zahl der jüdischchristlichen Eheschließungen im Jahresdurclischn, Zahl der Geborenen (einschl. Totgeh.) aus judisch. Mischehen im Janresdurchsc'm, Mann jüdisch Frau jüdisch Mann jüdisch Frau jüdisch Preußen < f 1876/80 1 1896/1900 108 233 121 215 176 313 240 327 Bayern f 1876/80 i 1896/1900 6 23 8 12 4 28 11 22 Hessen { 1866/70 ) 1876/80 | 1896/1900 l 1901/04 2,6 3,4 7,3 0,8 5,4 5,8 5,5 2 5 8 10 1 7 12 13 hessischen Zahlen hervor, daß vor dem Jahr 1870 Eheschließungen zwischen Juden und Nichtjuden äußerst selten waren. Durchschnittlich jährlich kam in Hessen kaum eine einzige vor, heute dagegen mehr wie 10. In Preußen hat sich in den letzten 20 Jahren die Zahl der jüdischen Mischehen verdoppelt. Sie ist im Jahresdurchschnitt von 229 in 1876/80 auf 448 in 1896/1900 gestiegen.