Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- General-Versammlung des Verbandes für Statistik der Juden
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 96 (sequence 2)
- Language
- German
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— 96 die Vertreter der bedeutendsten jüdischen Organisationen teilnahmen. Es wurde beschlossen, daß alle jene Körperschaften, die dem statistischen Verband größere Jahressubventionen gewähren, befugt sein sollen, einen Vertreter in das Kuratorium zu entsenden. Dem Berichte des Vorsitzenden folgte der Bericht des Schatzmeisters Benno Braun, aus dem hervorging, daß der Etat des Verbandes sich im letzten Jahre gegen das Vorjahr mehr als verdoppelt hat. Rechtsanwalt Dr. Max Horwitz erstattete hierauf Bericht über einen neuen Entwurf der Satzungen des Verbandes. Nach längerer Diskussion beschloß die Versammlung die endgiltige Entscheidung über den neuen Entwurf erst in der nächsten Plenarversammlung zu treffen. Dagegen wurde der Entwurf der Satzungen des Kuratoriums einstimmig angenommen. Auf Grund dieser Satzungen, die der Generalversammlung des Verbandes die Entsendung von fünf Mitgliedern in das Kuratorium einräumen fanden die Wahlen statt, aus denen nachstehende Herren hervorgingen: San.-Rat Dr. Marctzki, Geh. R. Dr. Blumental, Prof. Dr. Martin Phlippson, Just.-Rat Dr. Eugen Fuchs, Benno Braun. In den Vorstand des Verbandes wurden gewählt: Dr. Kurt Alexander, Dr. Walter Münk, Dr. Theod. Zlocisty, Dr. Alfred Nossig, Dr. Bruno Blau, Dr. Hans Gideon Heymann, Dr. Moritz Sobernheim, Benno Braun, Dr. Rothholz, Priv.-Doz. Dr. J. Schur. In einer sehr anregenden Diskussion, an der sich Dr. Hirsch Hildesheimer, Dr. H. G. Heymann, Dr. M. Horwitz, Richard Cassel, Dr. Kurt Alexander, Dr. Walter Münk beteiligten, wurden dem neugewählten Vorstande Direktiven für seine Tätigkeit erteilt, die wesentlich dahin abzielten, ein reges Vereinsleben und eine kräftige Propaganda zu entwickeln. Jahresbericht des Vereins für die Statistik der Juden zu München pro 1905. Der Bericht gedenkt zunächst der vom Verein in Angriff genommenen größeren statistischen Arbeiten und betont die Schwierigkeiten, die sich dem raschen Fortgang derselben entgegenstellten und ihre Veröffentlichung bisher verzögerten. Die Hauptschwierigkeit sind die geringen Geldmittel, infolge deren der Verein auf die ehrenamtliche Tätigkeit seiner Mitglieder angewiesen ist. Als neue Arbeit trat im Verein hinzu eine Enqu&te unter den israelitischen Schuilehrern in Bayern über deren Verhältnisse und das jüdische Schulwesen überhaupt, veranstaltet auf Veranlassung und unter Mitwirkung des Israelitischen Lehrervereins in Bayern. — Es wurden im Berichtsjahre 2 Vorträge gehalten von Dr. Epstein über Krankheiten und Sterblichkeit bei den Juden (vergl. diese Zeitschrift I. Jahrg. No. 5) und von Rudolf Wassermann über „die Entwickeking der jüdischen Bevölkerung in München seit 1875". Beide Vorträge waren sehr gut besucht. — Der vom Verein im W.-S. 1905/6 abgehaltenen „Uebungen auf dem Gebiete der Statistik der Juden" wurde ebenfalls in dieser Zeitschrift bereits gedacht (vergl. Nr. 12). — Der Bericht erwähnt ferner die auf Anregung und unter Mitwirkung des Vereins erfolgte Gründung der „ Jüdischen Lesehalle * in München, welche hauptsächlich von den größeren jüdischen Vereinen in München unterhalten wird. — Die im Jahre 1904 vom Verein gegründete „Ortsarbeitsgruppe Nürnberg-Fürth" entwickelte sich sehr gut und veranstaltete in Anlehnung an die gleichartigen Arbeiten des Hauptvereines eine „Enquete über die osteuropäischen Juden in Nürnberg und Fürth" sowie eine Erhebung über die in diesen Städten bestehenden jüdischen Wohltätigkeitsanstalten. — Der Kassabericht des Vereins weist Einnahmen von 749 M., Ausgaben im Betrage von 705 M. auf. Der Mitgliederbestand ist im Jahre 1905 im wesentlichen der gleiche geblieben wie 1904. — Die Vereinsleitung setzt sich im Jahre 1906 aus folgenden Herren zusammen: Dr. Cohen, I. Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Straus, IL Vorsitzender, Dr. Vogelstein, 1. Schriftführer,, Dr. med. Epstein, IL Schriftführer, Max Krämer, Schatzmeister; ferner als Beisitzer Rabbiner Dr. Werner, Justizrat Ofner, Konsul Ballin, Rechtsanwalt Dr. Blumenstein, Dr. med. Sielmann, Lehrer Dingfelder, Jacob Hirschinger, stud. jur. Wadler und Rudolf Wassermann. Statistische Vortragsabende der Jüdischen Studenten - Korporationen zu München. Die Münchener jüdischen Studentenverbindungen veranstalten auf Anregung und unter Mitwirkung des Vereines für Statistik der Juden in diesem Sommer- Semester drei gemeinschaftliche Vortragsabende mit Vorträgen aus dem Gebiete der Statistik und Wirtschaftsgeschichte der Juden. Der erste dieser Vortragsabende hat bereits stattgefunden. Er brachte ein Referat des Herrn Dr. Cohen und war besonders von Studierenden gut besucht. Nachdem der Redner im ersten Hauptteil die Stellung der Statistik im Kreis der übrigen Wissenschaften klargelegt, ihre Bedeutung für Staat, Kommune und Private (besonders Wohltätigkeitszwecke) gestreift hatte, führte er zu Beginn des zweiten Hauptteils die Momente aus, die gerade für eine jüdische Statistik sprechen. (Zumeist in Anschluß an seinen Aufsatz „Statistik und Judenfrage" in Heft 3 des I. Jahrg. dieser Zeitschrift.) Der Schluß seiner Ausführungen bot mit Hinweis auf die Quellen ein knappes, aber scharf gezeichnetes Bild der Entwicklung und sozialen Schichtung der Juden in den Hauptländern der Welt. Dem fesselnden Vortrag folgte eine interessante Diskussion, an der sich die H.H. stud. med. Theilhaber, Dr. Straus, cand. jur. Rudolf Wassermann, Lehrer Peisakowitsch, Banquier Krämer u. a. beteiligten. Der schöne Verlauf des Abends berechtigte den Referenten zur Aeußerung des Wunsches, daß ihm noch viele ähnliche im kommenden und in den nächsten Semestern folgen möchten. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. J. Thon, Halensee. — Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, Halensee. — Drnck von E. Boll, Berlin.