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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. Seite 95

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
Austritte aus dem Judentum in Lemberg
Date
1906-06-01
Page
Seite 95 (sequence 2)
Language
German
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— 95 - tritte zu verzeichnen, wie Krakau mit 25670 Juden (27 jährlich; vgl. Thon, Die jüdische Bevölkerung in Krakau, Heft 11, IL Jahrg. d. Zeitschr.). Der Grund hierfür wird zum Teile darin liegen, daß nach Krakau, j welches Russisch-Polen und dem übrigen Oesterreich näher liegt als Lemberg, mehr Fremde zur Vornahme der Taufe kommen; zum Teile kann es auch eine Folge größerer Propaganda seitens der römisch-katholischen Geistlichkeit sein, die im allgemeinen m Krakau stärker organisiert ist. Außerhalb dieser beiden Hauptstädte dürften in Gaiizien die Taufen nur höchst; vereinzelt vorkommen und zusammen im ganzen Lande nach unserer Schätzung kaum die Zahl 70—80 jährlich erreichen, die gegenüber einer Bevölkerung von über 800000 ISeelen als verschwindend klein zu bezeichnen ist. Die Veranlassung zur Taufe wird in den meisten Fällen die Ehe mit einem christlichen Gatten sein (die Mischehe als solche zwischen Christen und NichtChristen ist nach dem österreichischen Zivilrecht unzulässig!), häufig auch der Beruf. Die Anstellung eines öffentlichen Beamten ist vielfach, der Aufstieg zu höheren Stufen der Beamtenlaufbahn fast immer von der Taufe abhängig. Die meisten Ausgetretenen (137) befinden sich im Alter von 14—40 Jahren, in welchem die erwähnten Motive hauptsächlich in Betracht kommen, dagegen sind nur 4 unter 14 Jahre alt, d. h. in dem sie nicht selbst, sondern mit den Eitern oder durch die Eltern der Taufe unterzogen werden können. Auch sind bedeutend mehr ledige als verheiratete unter d°n Getauften (112 gegen 42), dagegen ungefähr ebensoviele Männer wie Frauen (77 und 80). Hervorzuheben ist die im Verhältnis zur geringen Zahl der Evangelischen in Lemberg (2833 gegen über 82 597 Römisch-Katholischen und 29 327 Griechisch-Katholischen) sehr hohe Ziffer der zur evangelischen Kirche übergetretenen Juden — ein mehrfach schon bestätigter Beweis dafür, daß die jüdischen Täuflinge an den Zeremonien des Uebertritts, die im Protestantismus weniger hervortreten, häutig Anstoß nehmen. Vier Personen sind in dieser Zeit zum Judentum übergetreten und zw^ar 3 aus der evangelischen Kirche (2 Männer und 1 Frau) und 1 Frau von den Konfessionslosen. Alle waren iedig, 3 im Alter von 20- 30, 1 im Alter von 30 - 40 Jahren. Es traten vom Judentum in Lemberg aus im Jahre zur . .1 '- -i "5 ~'S!ü5I fco 1! bJ3 j © Kirche Männer Frauen Ledige 1 Verhcirat. ] £ 4-3 Sh o > im X!o A Ja o 1 i—< lte ihr o r von en zus. 1897 19 s 6 10 18 17 9 2 . 1 28 1898 12 6 2 12* 10 14*) 8 — — 19 3 22*) 1899 17 3 5 11 16**) 23**) 4 — — 25 2 27**) 1900 25 3 2 17 13 21 8 1 2|24 4 30 1901 19 4 6 15 16w) 20 11 1 25 5 srM) 1902 15 1 3 12 7 17 2 117 j 1 19 •) darunter 2 zu den Konfessionslosen. ••) dar. 2 zu den Konfessionslosen. •**) dar. 1 Frau, ledig-, zwischen 20 u. 30 J. zu d. Konfessionsl. Mitteilungen. General-Versammlung des Verbandes für Statistik der Juden. Am 26. Aprii d. J. fand zu Berlin die III. ordentliche Generalversammlung des Verbandes für Statistik der Juden statt. Aus dem vom Vorsitzenden des Verbandes, Dr. Alfred Nossig, erstatteten Berichte über die Tätigkeit des Kuratoriums, des Vorstandes und des Bureaus für Statistik der Juden ergab sich., daß der statistische Verband in äußerst erfreulichem Aufblühen begriffen ist. Das Bureau veröffentlichte im Berichtjahre drei größere Arbeiten: Das „Statistische Jahrbuch deutscher Juden" (im Auftrage des Deutsch-IsraeL- Genieindebundes), den „Anteil der Juden aniUn t er rieht swesen in Preußen" (mit Unterstützung der Jüdischen Gemeinde in Berlin) und „Die sozialen Verhältnisse der Juden in Rußland14 (im Auftrage des Zionistischen Aktions-Komitees) und gab die „Zeitschrift für Demograghie und Statistik der Juden" heraus. Die großen jüdischen Organisationen und Gemeinden bezeigten dem Verbände im letzten Jahre ein viel lebhafteres Interesse als früher, insbesondere durch Ueberweisung neuer statistischer Arbeiten. So wird das Bureau demnächst im Auftrage der Großloge des U. O. B. B. eine erschöpfende, weit über den Rahmen der vorhandenen amtlichen Erhebungen hinausgehende Statistik der jüdischen Bevölkerung im Großherzogtum Hessen herstellen. Die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" ermöglichte dem Bureau die Inangriffnahme einer Arbeit über „Die jüdischen Gemeinden Deutschlands". Betreffs der Herstellung einer Statistik der Juden in Oestereich-Ungarn (resp. Gaiizien) schweben zurzeit Unterhandlungen mit mehreren Körperschaften. Wertvoll für den Verband war die erhebliche Zunahme von Jahressubventionen, die eine systematische, planvolle Herstellung der Gesamtstatistik der Juden ermöglichen. Zu den Körperschaften, die den Verband bereits früher subventionierten, dem Zentralverein, der Großloge, mehreren Einzellogen, dem Deutsch-Israel.-Gemeindebund, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, traten in diesem Jahre fast sämtliche größere Gemeinden Deutschlands hinzu: Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Breslau, Posen, Danzig, Hannover, Aachen, Beuthen, Gleiwitz, Stettin, Wiesbaden, Mainz. Um eine nähere Fühlung zwischen dem statistischem Verbände und den subventionierenden Organisationen herbeizuführen, berief das Kuratorium für den 28. März 1906 eine Konferenz ein, an der

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