Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Das Resultat der Sammlungen für die russischen Juden
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 94 (sequence 1)
- Language
- German
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— 94 — Statistisches Archiv. —t Das Resultat der Sammlungen Rußland. ft"" die russischen Juden, die durch =Jf die Unruhen im Herb-te 1905 geschädigt worden sind, betrug bis zum 1. März 1906 15 515 527 M. Rund 2 300 000 M. davon sind dem Hilfsverein der deutschen Juden zugegangen, stammen also fast ausschließlich aus Deutschland; in England und seinen Kolonieen kamen 140 511 £ (2 867 036 M.) zusammen, die übrigen Beträge sind in Amerika und den anderen europ. Staaten gesammelt. Von den vereinnahmten Beträgen wurden bis 1. März 1906 470 873 £ (9 605 809 M.)der Zentralstelle in London zugeführt. — Der Alkoholgenuss bei jüdischen München. Schülern. Dr. R. Heck er in München — berichtet in der Münchener Medizin. Wochenschrift 1906 No. 12 iibT die von ihm in vier großen Volksschulen mit 4652 Kinder n und einer Mittelschule mit 428 Schülern, zusammen also 5080 Schülern und Schülerinnen, angestellten Erhebungen über den Alkoholgenuß seitens der Kinder. Leider ist die Zahl der jüdischen Kinder nicht angegeben, interessant ist aberdas Endresultat der Unterredung in Beziehung auf die Konfession. Es lautet folgendermaßen : Ein auffälliger Unterschied im Alkoholgenuß zeigt sich je nach der Konfession: unter den Katholiken die geringste Zahl Abstinenter (12%), unter den Israeliten die größte (20%), in der Mitte die Protestanten mit 16%; umgekehrt finden sich eigentliche Trinker (Kinder, die entweder regelmäßig Schnaps oder täglich einen halben Liter Bier und darüber erhalten) bei den Katholiken am meisten (18%), bei den Israeliten am wenigsten (4,5 °/0), in, der Mitte wieder die Protestanten mit 9%. Daß nicht die Religion an sich die Ursache dieses Verhaltens ist, sondern das soziale Niveau, bedarf wohl kaum der Erörterung. Mit dem letzten Satz hat Hecker kaum das Richtige getroffen, da die Abstinenz der Juden nicht eine neuere, sondern seit langen Zeiten bekannte Tatsache ist, und sich beim ganzen Volke ohne Unterschied des sozialen Niveaus findet. Preußen. Juden im preussischen Abgeordnetenhause. Das königl. preußische statistische Landesamt veröffentlicht im Ergänzungsheft XXIII seiner Zeitschrift das Ergebnis der preußischen Landtags wählen von 1903. Das konfessionelle Moment ist dabei nur berücksichtigt bei den gewählten Abgeordneten. Es waren von den 433 Abgeordneten ihrem Glaubensbekenntnis nach 312 (72,1%) Evangelische, 114 (26,3°/o) Katholiken und 7 (l,6°/0) Juden. Von 1898 bis 1903 gehörte dem preußischen Landtag nur ein Jude an, so daß die Zunahme der jüdischen Abgeordneten durch die Neu ahi im Jahre 1903 eine sehr beträchtliche ist. Sämtliche 7 jüdische Abgeordnete haben sich den beiden freisinnigen Parteien angeschlossen und zwar 3 der freisinnigen Vereinigung, die im ganzen 8 Mitglieder zählt, und 4 der freisinnigen Volkspartei, die 25 Mitglieder zählt. Die Zahl der Juden im Kanton- Basel betrug im Jahre 1900 nach Prof. Bauer (Bevölkerung des Kantons Basel-Stadt, Basel 1905). Sehweiz. im Jahre absolut in 0/o der Gesamt-Bev. 1837 126 0,5 1847 100 0,4 1860 172 0,4 1870 503 1,1 1880 831 1,3 1888 1078 1,4 1900 1906 1,7 vermehrten sich in den Jahren 659 (= 383,1%, wenn wir den Die Juden 1860—1880 um Stand im Jahre 1860 gleich 100 setzen), in den nächsten 20 Jahren 1880- 1900 um 1075 (= 129,4%). In der Zeit von 1837—1900 vermehrten sich die Protestanten von 20 513 auf 73 348, ihr Prozentanteil an der Gesamtbevölkerung fiel jedoch von 84.4% auf 65,0°/0. dagegen stieg in gleicher Zeit die Zahl' der Katholiken von 3 604 auf 37 469 und ihr Prozentanteil von 14,8 auf 33,2 Die Zunahme der Judeu ist großenteils der Einwanderung, hauptsächlich aus dem Elsaß zuzuschreiben. Die Geburtenhäufigkeit scheint bei den Baseier Juden im Rückgang sich zu befinden. Es entfielen nämlich auf je 1000 Angehörige Kinder unter 14 Jahren 1870 1850 bei den Juden ... 304 268 überhaupt..... 253 266 Dem Geschlechte nach waren 1900 Juden 940 männliche und 966 weibliche. Dem Familienstande nach entfielen auf je 1000 Angehörige jeder Konfession b i den Ledige Verheiratete 1888 1900 297 262 266 270 unter 1 906 Protest. Kathol. Juden 1888 63,4 60,5 58,1 1900 62,1 59,0 57.3 1888 1900 29,9 31,9 33,9 35,7 36,1 36,6 Verwitwete tl. Geschiedene 1888 0390 6.7 6,0 5,6 5,3 5.8 6,1 Die Juden haben also am wenigsten Ledige, am meisten Verheiratete, während sie inbezug auf Verwitwete und Geschiedene zwischen Protestanten und Katholiken in der Mitte stehen. Austritte aus dem Judentum in Lemberg. Im 10. Heft der Statistischen Mitteilungen der Stadt Oesterreich. Lemberg (Lemberg 1905) finden wir zum ersten Mal eine übersichtliche Darstellung der Konfessionsänderungen mit genaueren Angaben in den Jahren 1897/1902, die wir hier, soweit sie sich auf die Juden beziehen, verwertet haben. Darnach sind zusammen in diesen 6 Jahren 157 Personen aus dem Judentum ausgetreten, durchschnittlich also 26 jährlich. Somit hat Lemberg mit 43412 Juden kaum so viele Aus-