Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Geschäftsbericht des Hilfsvereins der deutschen Juden für 1905
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 80 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2650397-3187651-3187657-3188794--0666-3188823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
jüdischen Wohl Tätigkeit s vereine entwickelt. Das \ Jahr 1905 stand für ihn unter dem Zeichen der durch j die bekannten Exzesse hervorgerufenen Judennot in! Rußland. Die vom Hiifsverein eingeleitete Hiifsj aktion hatte zur Folge, daß in der kurzen Zeit von I Oktober bis 31. Dezember 1905 2281562 Mk. Unterstützung bei ihm eingingen, von denen 1060583 Mk. bis Ende 1905 und weitere 900000 Mk. bis 1. März 1906 zur Hilfeleistung verwendet worden sind. Die Art der Unterstützung ist im Einvernehmen mit den anderen grossen jüdischen Organisationen, welche Sammlungen für die russischen Juden veranstalten, dahin geregelt worden, daß nicht Almosen verteilt, sondern den Geschädigten eine Beihilfe gewährt wurde, welche ihnen die Fortführung ihrer wirtschaftlichen Existenz ermöglichte. Die Unterstützungsgesuche der Geschädigten wurden zuerst von den in Rußland errichteten Komitees geprüft und begutachtet und alsdann zur Entscheidung dem Internationalen Büreau in Berlin vorgelegt, das als gemeinsame Zentralstelle aller am Hilfswerk beteiligten Wohltätigkeitsvereine eingerichtet wurde. Zur Raterteilung für Auswanderer ist ferner das dem Hilfsverein angegliederte Zentralbüreau für jüdische Auswanderungsangelegenheiten in Berlin ins Leben gerufen worden. Außer in Rußland arbeitet der Hilfsverein noch in Galizien, wo er genossenschaftliche Kreditvereine I unterstützt und um Einführung neuer Heimarbeitj | Industrien bemüht ist. Daneben unterhält und I unterstützt er in Gaiizien wie in Bulgarien, Rumänien.! der europ Türkei und Palästina Kindergärten, : Elementar- und Fachschulen, unter denen die Lehrerj bildungsanstalt in Jerusalem am wichtigsten ist. Das Vermögen des Vereins stellt sich — abgesehen von dem auf Spezialkonto gebuchten oben erwähnten Fonds für das russische Hilfswerk — auf etwa 181000 Mk., wozu noch das Vermögen der vom Verein verwalteten Baronin v. Cohn - Oppenheim- Stiftung mit 312000 Mk. tritt. Die Ausgaben für Unterstützungen betrugen aus diesem Stiftungsfonds 12000 Mk., aus den laufenden Vereinseinnahmen 33 500 Mk.; die sonstigen Ausgaben beliefen sich auf etwa 36000 Mk. Eingegangen sind im Jahre 1905 38300 Mk. an einmaligen Zuwendungen und Beiträgen, 68500 Mk. an Jahresbeiträgen. •-— ==f. Jüdische Abgeordnete in derReichs-!! Rußland. j; duma. Bis jetzt sind 11 Juden in die y=----- ■__ij Reichsduma gewählt worden, und zwar: Dr. Winawer, einer der bedeutendsten Führer der „Kadettenpartei'', die Schriftsteller Jolles, Ostrogorski, fernerDr.Fraenkel, Advokat Bramson, AdvokatSeheftel. Die übrigen fünf jüdischen Abgeordneten sind bekannte Führer der Zionisten, nämlich: Dr. Levin- Wilna, Dr. Bruck-Witebsk, Rechtsanwalt Jacobsohu- Slonim, Rechtsanwalt Rosenbaum - Minsk und I Dr. Katzeneisoh—Libau, der Präsident der Jüdischen | Kolonialbank in London. Diagramm zum Artikel „Anthropologische Untersuchungen über die russisch-polnischen Juden . . von Dr. Elkind, S. 65 u. ff. Für die Redaktion verantwortlich.: Dr. J. Thon, Baiensee. — Vermag des Bureaus für fctatistik der Juden, Haiense©. — Druck von E. Boll, Berlin.