Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Die Zahl der Juden in Frankfurt a. M.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 48 (sequence 2)
- Language
- German
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48 — anderen Teilen der Altenstädt zahlreich, in denen zusammen 12 422 Juden wohnen. Dagegen gibt es in den Stadtteilen Seckbach und Sehfffsbezirk gar keine Juden und in Niederrad, Oberrad und Bornheim bilden sie nur 0,1 bezw. 0.2 % der gesamten Bevölkerung dieser Stadtteile. rTp^T^ Ueber russische Studierende an Rußiafta. westeuropäischen Universitäten - brachten wir in No. 11 des ersten Jahrgangs eine Abhandlung. Die dort für die Schweiz gegebenen Zahlen lassen sich auf Grund der neuesten schweizerischen Univorsifätsstatistik dahin ergänzen, daß russische Studierende vorhanden waren an der Universität Sommer-Halbjahr 1903 Winter-Halbjahr 1903—04 iio?rj darunter iiaupt j Frauen überdarunter haupt Fraaen Basel....... Zürich ...... Bern. . ... Genf........ Frei bürg..... Neuchatel .... 16 ■ - 238 174 399 291 339 272 177 149 17 — 4; 2 17; — 224 162 514 392 357 285 211 178 25 — 2 1 Summa . . . 1190 883 1350 1018 Der Fakultät nach gehörten im Winter - Halbjahr 1903-1904 zur jurist. Fakultät 29, darunter 11 Frauen , mediz. „ 855, „ 782 , philos. „ 466, „ 225 Die Konfession der Russen ist aus der amtlichen Statistik nicht ersichtlich, doch läßt sich auf Grund von zuverlässigen Mitteilungen sagen, daß die russ. Studierenden in Bern fast ausschließlich, in Zürich, Genf und Lausanne überwiegend Juden sind. Nachzutragen iszu der erwähnten Abhandlung ferner, daß auch Belgien, das dort nicht erwähnt war, russische Studierende aufweist. Nach dem amtlichen Werke: Situation de l'Enseignenient Superienr 1898—1900 (Brüssel 1902) waren russische Studierenda vorhanden üiüveSät 1897/98 1898/99 1899/1900 Gand....... 6 6 7 Liege ...... 50 57 77 Brüssel..... 5 7 16 L ouvain..... 1_2_ 6_ Summa 62 72 107 Mindestens die Hälfte dieser Studierenden dürften Juden sein. Literatur. Dr. N, Samter. Judentaufen im 19. Jahrhundert, Berlin (M. Poppelauer) 1906. Broch. 2,50, geb. 3 Mk. Wer an einer in der Sache apologetischen, in der Form feuilletonistischen Schrift eines überzeugten Juden über die Uebertritte von Juden zum Christentum Interesse hat, wird manche Kapitel des vorliegenden Buches mit Nutzen lesen. Der Verfasser hat von überall her Material zusammengebracht und läßt Scharon von getauften Juden, große und kleine in buntem Gemisch an dem Auge des Lesers vorüberziehen. Von den groben Ungenauigkeiten, denen man sonst so häufig in apologetischen Schriften inbezug auf tatsächliche Angaben begegnet, hält sich die Schrift ziemlich frei, und sogar die statistischen Angaben und Tabellen, die in ähnlichen Schriften fast stets falsch sind, zeichnen sich durch Richtigkeit aus. Was der Verfasser an eigenen Ansichten über die Taufe und ihre Ursachen vorbringt, hält sich allerdings durchaus an der Oberfläche dieser Erscheinung. Der Verfasser glaubt, man könne durch größere seelsorgerische Fürsorge der Taufe entgegenwirken: es gelte die Erkenntnis zu verbreiten, daß das Judentum als Religion dem Christentum nicht nur nicht ebenbürtig, sondern überlegen sei. Aber der Verfasser sagt ja an anderen Stellen selbst, daß die Juden durch ganz andere als religiöse Gründe zur Taufe getrieben würden. Wie soll da gegenübe: diesen Motiven gerade von der besseren religiösen Einsicht die Hilfe kommen? Die Religion als solche — nicht nur die jüdische bei den Juden, auch die christliche bei den Christen — hat in den Ländern außerhalb Osteuropas fortgesetzt an Einfluß auf das Denken und Handeln verloren. Da verspricht es kaum irgend welchen Erfolg, wenn man den Hebel zur Bekämpfung der Taufe gerade bei der Religion einsetzen will. Viel eher darf man eine Wirkung erwarten, wenn man den Juden ihren Wrert als Volksgemeinschaft vor Augen führt, ihnen zeigt, was sie für die Menschheitskultur geleistet haben und leisten und was sie als Rasse bedeuten. Es gilt im Juden Stolz auf seine Vergangenheit und Verständnis für die geistigen Kräfte zu erwecken, die in der jüdischen Rasse noch schlummern. Dem Verfasser, der nach mehr Frömmigkeit und Religion ruft, ist die These entgegenzusetzen, daß die Taufe nur äußerlich ein religiöser Akt, innerlich ein Unterfall des allgemeinen soziologischen Gesetzes der Assimilation ist. Diese Assimilation läßt sieh aber bei einer Gemeinschaft, die nicht wie ein Staatswesen über äußere Machtmittel verfügt, nur durch Stärkung der inneren Gemeinschaft, d. h. des Stolzes auf die gemeinsame Vergangenheit und der Hochschätzung der eigenen Volks- und Rasse-Eigenschaften begegnen. Der stärkste Schutz gegen die Taufe ist der Ahnenstolz, die Wertschätzung dessen, was unsere Ahnen uns in ihren Kulturtaten (unter denen die Schaffung der jüdischen Religion natürlich eine der größten ist) und in unserer — Gehirnstruktur hinterlassen haben. Wer sich zum Verständnis hiervon durchgerungen hat, wird so leicht die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft nicht aufgeben, die so vieles geleistet hat und in der Zukunft noch vieles zu leisten verspricht. A. R, Für die Redaktion verantwortlich: Dr. J. Thon, Ealensee. — Verlag des Bnroans für Statistik der Juden, Halensee. — Druck von R. Boll. Berlin.