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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. Seite 46

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Die Kindersterblichkeit in Krakau
Date
1906-03-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 Krakau zu denen der deutschen Juden mit ihrer abnorm geringen Kindersterblichkeit in schroffen j Gegensatz treten", nach Gründen, die er in den mißlichen ökonomischen Verhältnissen und den Frühheiraten zu finden glaubt. Eine derartige Gegenüberstellung der pro- ( zentualen Ziffern zweier Bevölkerungsmassen ist I indes nur zulässig, wenn 1. der Altersaufbau und 2. die allgemeine Sterbeziffer bei beiden °! die gleiche ist.! Was die erste Voraussetzung betrifft, so dürften j bei beiden Bevölkerungskiassen wenigstens die j Kinder relativ in gleicher Anzahl vorhanden sein, \ da die Geburtenziffern ziemlich übereinstimmen, i Die zweite Voraussetzung liegt aber nicht vor, l denn, wie Tabelle III Thon's ergiebt, ist die I Sterbeziffer der Juden weit niedriger als die der; Christen, und es ist klar, daß, wenn die Gesamtj Sterblichkeit einer Bevölkerung niedriger ist als! die einer andern, der Umstand, daß bei dieser j '! Bevölkerung ein verhältnismäßig größerer j Teil der Todesfälle auf die Kinder entfällt, noch; nicht den Schluß zuläßt, daß bei ihr nun über- \ haupt die Kindersterblichkeit die größere ist. Ist somit die von Thon gewählte Ver- \ gleichung eine unzulässige, so führt sie auch zu irrigen Ergebnissen. Aus Tabelle I und IV des Thon" sehen Artikels geht hervor: Im Durchschnitt der Jahre wurden geboren Christen Jaden starben im Alter von (J bis 1 Jahr Christen! Juden kommen auf ICH) Geburten Gestorbene zwischen 0 bis 1 Jahr Christen Juden 1891/93 1894 '96 2014 82S 2277 849 397 889 119 182 19,7 14,4 17,1 15,5 Diese gewiß nicht inkorrekte Berechnung zeigt, daß in Krakau die Säuglingssterblichkeit sowohl bei Christen wie bei Juden eine niedrige ist, bei den Juden aber noch niedriger ist als bei den Christen und keinesfalls als „große Kindersterblichkeit'" in schroffen Gegensatz zu der Kindersterblichkeit der Juden anderer Länder gestellt werden darf. Auf gleiche Berechnungen hin wie Thon hat übrigens der Vorsitzende einer großen jüdischen Wohlfahrtsgesellschaft in London vor der Fremdeneinwanderungskommission angegeben, daß die Säuglingssterblichkeit der eingewanderten Juden in London eine größere sei als die der Christen. Dort war deshalb die Vergleichung unzulässig und irrig, weil die Geburtenziffer der Juden in London größer ist. als die der Christen. In prinzipieller Uebereinstimmung mit den vorstehenden Ausführungen bemerkt die Redaktion dazu noch folgendes: Der springende Punkt bei einem Vergleich zwischen der Kindersterblichkeit der Juden in Krakau einerseits, in westeuropäischen Ländern andererseits ist der Umstand, daß die Juden dort eine sehr hohe (37,4 pro Mille im Jahre 1899); hier dagegen eine sehr niedrige Geburtenziffer (z. B. in Preußen im Jahre 1903 nur 18,4 pro Mille) haben. Da die Sterblichkeit im Kindesalter und besonders im Säuglingsalter eine viel höhere ist als im späteren Alter, so wird eine Bevölkerung mit hoher Geburtenziffer ceteris paribus immer auch eine höhere Sterbeziffer haben als eine Bevölkerung mit niedriger Geburtenziffer und unter den Gestorbenen werden eben die gestorbenen Kinder und Säuglinge stärker vertreten sein. Das ist der eigentliche Grund, weshalb unter den gestorbenen Juden in Krakau so viel mehr Personen im Kindesalter vorhanden, sind als z. B. in Preußen. Es ist, wie Block hervorhebt, damit durchaus noch nicht gegeben, daß in Krakau unter je 100 Geborenen mehr im Kindesalter sterben als in Preußen. Leider ist zwar für Krakau, aber nicht für Preußen bekannt, wieviel Kinder im ersten Lebensjahre sterben: sonst würde man, wie dies Block für Krakau tut, auch für Preußen die Zahl der gestorbenen Säuglinge eines Jahres zur Zahl der Geborenen desselben Jahres in Beziehung setzen und damit die Frage nach der größeren Säuglingssterblichkeit zahlenmäßig genau beantworten können.

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