Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Aufbau der jüdischen Bevölkerung in Baden während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 24 (sequence 3)
- Language
- German
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24 - sämtlicher deutschen Juden, 1900 dagegen nur noch 4,45 %. Da dieser geringe Zuwachs, bezw. das prozentuale Zurückgehen, wie aus Tabelle II erhellt, nicht auf Auswanderung beruht, die Tabelle II vielmehr auf einen Zuwachs durch Einwanderung, wenn auch in geringer Zahl schließen läßt, so bleibt nur die Annahme übrig, daß in diesem Zeitraum entweder die Sterblichkeit der Juden eine sehr große oder die Geburtenzahl eine außerordentlich geringe gewesen ist (abgesehen von Taufen und Mischehen). Leider existieren für beide Erscheinungen keine statistischen Erhebungen, jedoch ist anzunehmen, daß nicht die große Sterblichkeit hier der wirkende Faktor war, sondern daß vielmehr das in Baden aus Frankreich herübergenommene Zweikindersystem eine große Rolle beim prozentualen Zurückgang der jüdischen Bevölkerung gespielt hat und noch spielt. Wenn auch, wie oben schon erwähnt, die Staatsangehörigkeitsstatistik (Tabelle II) einen Einwanderungsüberschuß aufweist, so muß hier doch konstatiert werden, daß die Juden prozentual doppelt so stark unter der Gesamtauswanderung als unter der Gesamteinwanderung vertreten sind (5,3 % : 2,5 %). Was~ die Ehe- und Geschlechtsverhältnisse der badischen Juden anbelangt, so geben hierüber Tabelle III und IV Aufschluß. Dabei ist zum Kapitel Mischehen zu bemerken, daß solche, wie auch Held konstatiert, bei den Juden am seltensten vorkommen, wenn auch seit 1893 nach mannigfachen Schwankungen die Prozentziffer von 5,45 % auf 7,44 % im Jahre 1903 gestiegen ist. Bei den Christen gelten für diese Jahre die Prozentzahlen 16,28% und 17,18% (1901; da 1903 nicht zu ermitteln war). Hinsichtlich des Geschlechtsverhältnisses zeigen die badischen Juden keine Abweichung von den Christen, hier gilt nämlich, was für ganz Deutschland gilt, nämlich Frauenüberschuß, der aber in Baden seit 1885 bei allen drei Konfessionen bis 1890 etwas zurückgegangen ist. Während sich die bisher aufgeführten Tabellen über das Großherzogtum als Ganze erstreckten, behandelt Tabelle V die 4 Landeskommissariate Badens und deren Bevölkerungszuwachs für die Zeit von 1852—1895 und 1895—1900. Diese Tabelle zeigt bereits bis 1895 ein Zurückgehen der Juden im Bezirke Mannheim und einen nur sehr geringen Zuwachs im Bezirke Konstanz: Tabelle IV. Geschlechts Verhältnis der badischen Juden. Jahr Katholische Evangelische Jüdische auf 1000 Männer treffen Frauen absoluter Frauenüberschuß bei den Christen absoluter F;auenüberscnuß bei den Juden Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen bei den Kathol. bei den Evang. bei den Juden 1871 1885 isyo 458 297 484 263 48S874 515 402 5üOS3y; 527 280 240 414 277 691 293 790 250 564 287 545 303 728 12 648 13 140 13 052 13 055 13 964 13 683 1056 1054 1052 1012 1035 1030 1032 1062 1048 36 086 36 382 36 379 407 824 631 Tabelle V. Die Bevölkerungszunahme der 4 badischen landeskommissarischen Bezirke 1852—95 unter besonderer Berücksichtigung der badischen Juden. Landesköinmissarischer Bezirk Stand der Bevölkerung 1852 1 1895! Christen i Juden j Christen j Juden Zunahme absolut Christen i Juden Zunahme prozentualer Christen | Juden Unter 100. Personen- Zunahme waren Christen Juden Konstanz .... Freiburg . . . Karlsruhe . . Mannheim . - . 265 034 417 695 312 629 338 151 1833 5 017 4 857 11 992 283 508! 1951 474 832! 5 832 465 878 i 6 183 475 343! 11 937 18 474 118 57 137 | 815 153 249 i 1 326 137 189! -52 6,7! 6,4 13,7! 16,2 49,0; 27.3 40,6! —0,4 99,37! 0,63 98,59! 1,41 99,14! 0,86 100,+ j—0,04 Großherzogtum 1 333 509 23 699! 1 699 561 i 25 903 | 366 019 ' 2 207 27,5 | 9,3 99,40 0,60