Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Die russischen Juden nach der Volkszählung von 1897
- Date
- 1906-02-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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— 19 - treten ist. sondern erst später eintreten wird. Aber bei den jüdischen Knaben ist der Rückgang stärker als bei den Knaben der anderen Nationalitäten, denn er beträgt bei den Juden.....43,2 %. „ Russen.....25,0 %, „ „ Polen......34,5 %, „ „ Deutschen .... 33,8 %. „ der Gesamtbevölkerung . 26.4 %. Diese Tatsache beweist um so mehr, wie stark der Zutritt der Juden zu den höheren Schulen durch die gesetzlichen Bestimmungen gehindert wird, als nach der Tendenz der früheren Jahrzehnte und bei der prozentual noch geringen Verbreitung der höheren Bildung unter den Juden gerade bei ihnen aus inneren Gründen der Rückgang am wenigsten wahrscheinlich war. III. Berufsverhältnisse. Die Berufsgliederung der russischen Juden war bisher nur sehr unvollständig bekannt. Die Tabelle VIII, welche über diese wichtige Frage für die Juden des ganzen russischen Reiches Auskunft gibt, erfordert deshalb besonderes Interesse, zumal die Berufsgliederung der Juden in Rußland in wesentlichen Punkten von derjenigen in Westeuropa abweicht. Diese Abweichuug hängt naturgemäß mit der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Verhältnisse Rußlands und der westeuropäischen Länder überhaupt zusammen. Rußland ist vorwiegend ein Ackerbaustaat und seine Industrie vorwiegend Kleinindustrie und Handwerk im Gegensatz zu den westeuropäischen Staaten, in denen die Industrie an Bedeutung die Landwirtschaft überragt und in der Industrie wiederum die Großindustrie vorherrscht. In einem Punkte freilich stimmt die Berufsgliederung der russischen Juden mit derjenigen der Juden aller anderen Länder überein, nämlich darin, daß der Handel unter ihnen weitaus am stärksten vertreten ist. Ordnet man die in Tabelle VIII verzeichneten 65 Berufsgruppen in 7 große Berufsabteilungen, so eatfallen Juden (einschl. Angehörige) auf in al)sol. Zahlen prozentual. 1. Oerxentl. Dienst und freie Berufe(l—12 der Tab.) 318 975 6,30 2. Dien stboten, Renten - empfang., Gefangene. (13—16 der Tabelle) 537 299 10,61 3. Landwirtschaft (17—21 der Tabelle) .... 192 721 3,81 4. Industrie (22—40 d. T.) 1 753 603 3463 5. Verkehr (41—45 d. Tab.^ 201 308 3,98 6. Handel (46—61 d. Tab.) 1 956 312 38^64 7. Sonstige Berufe (62-65 der Tabelle) . . . 102 938 2,03 5 063 150 100.00 Eine weitere in Tabelle IX angestellte Vergleichung der Prozentualzahlen Rußlands mit denen Deutschlands (auf Grund der Gewerbezählung von 1895) und Oesterreichs (Gewerbezählung 1900) ergibt, daß in Rußland der Prozentsatz der Juden, die ihrem Beruf nach zum Handel und Verkehr gehören (42,62%), geringer ist als bei den Juden in Oesterreich (43,7%) und Deutschland (54,56%), dagegen ist in der Industrie das Verhältnis umgekehrt. Merkwürdig ist die Tatsache, daß in Oesterreich verhältnismäßig dreimal so viel Juden zur Landwirtschaft gehören als in Rußland. Das könnte zu dem falschen Schluß verleiten, als ob in Oesterreich der jüdische Bauer und Landarbeiter so viel häufiger wäre. In Wahrheit ist aber der hohe Prozentsatz für Oesterreich nur dadurch zu erklären, daß die beträchtliche Zahl der Juden, die landwirtschaftliche Grundstücke besitzen und verpachtet haben, ihrem Berufe nach zur Landwirtschaft gezählt werden. In Wirklichkeit ist der selbst wirtschaften de jüdische Landwirt und Landarbeiter in Rußland häufiger anzutreffen als in Oesterreich. Gehen wir im einzelnen auf die Tabelle VIII ein, so finden wir unter den Beamten und Angehörigen der freien Berufe neben 908 jüdischen Staatsbeamten, 1679 Kommunalbeamten und 1037 Advokaten, Notaren und deren Hilfspersonal 53 194 Juden, also mehr als 1 % der jüdischen Bevölkerung, in Heer und Marine. Erstaunlich ist, daß sogar unter dem christlichen Klerus sich Juden (d.h. jüdisch sprechende Personen) in der Zahl von 278 befinden. Soweit