Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 2 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Kriminalität der Christen und Juden in Oesterreich
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 5)
- Language
- German
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10 - Mehrheit der österreichischen Juden lebt, nicht vom großem Wohlstand der Juden zur Begründung ihres geringen Anteils an flagranten Eigentunisdelikten gesprochen werden, auch nicht in demselben Sinne von einer durchschnittlich höheren Bildung der Juden. Vielmehr lassen die trotz gewisser wichtiger Verschiedenheiten in den Verhältnissen der Jaden in beiden Ländern wesentlich übereinstimmenden Resultate die Annahme als begründet erscheinen, daß die Juden — vielleicht im Zusammenhange mit ihrer geringeren Vorliebe für alkoholische Getränke — weniger zu Gewalttätigkeiten neigen. Sie verüben im allgemeinen seltener unmittelbare Verbrechen d. h. solche Delikte, deren verbrecherischer Erfolg unmittelbar eintritt, dagegen häufiger Delikte, die auf Spekulation und kühler Berechnung beruhen und deren Folgen leichter verborgen bleiben, jedenfalls nicht unmittelbar eintreten. Far die in beiden Ländern relativ größere Beteiligung der Juden an Religionsvergehen würden wir als Grund die verschiedenen innerhalb des Judentums bestehenden religiösen Parteiungen annehmen, die insbesondere in Gemeinden mit intensiver gepflegtem Kultus und religiösem Leben mitunter zu scharfen Konflikten zwischen den Vertretern der gegnerischen Richtungen führen. Die nach der amtlichen Statistik reproduzierte Tab. II läßt den Anteil der einzelnen Konfessionen an den wichtigsten Verbrechen und Vergehen vergleichen. Die Tab. III, welche den Anteil der einzelnen Konfessionen an Verbrechen und Vergehen in den einzelnen österreichischen Kronländern angibt, zeigt, daß zwar das wohlhabendste österreichische Kronland, Böhmen, inbezug auf die Kriminalität am günstigsten sich verhält, daß jedoch die Kriminalität der Juden in den anderen Kronländern sich gar nicht im Verhältnis zur Armut der Juden steigert. So ist in Galizien und der Bukowina mit den ärmsten jüdischen Bevölkerungsmassen eine günstigere Kriminalität als in den reichen Industrieländern Mähren und Schlesien und in Niederösterreich. Letzteres mit seinem überaus großen Anteil der Juden an Verbrechen ist natürlich mit "Wien zu identifizieren, welches von allen in Niederösterreich lebenden 157 278 Juden allein 146 926 beherbergt und welches als Großstadt manche zur Erwerbslosigkeit gezwungene Eingewanderte umso leichter zu Verbrechen verlockt, als sie losgerissen von ihrem Milieu, ihrer Religion und Tradition entfremdet, den nötigen moralischen Rückhalt häufig verlieren. Beitrag zur Beleuchtung des Elends und der Wohlfahrtspflege der luden in Rußland. Von M. La wir., St. Petersburg-. Man kann eine richtige Vorstellung von dem Elend, in das die Juden Rußlands durch die bekannten Ereignisse der letzten Monate gestürzt worden sind, gewinnen, wenn man ihre traurige Lage in den sogenannten ruhigen Zeiten kennt. Das von der Jewish Colonization Association über die Lage der Juden in. Rußland veröffentlichte Werk enthält auch hierüber einige Angaben, die allerdings nur manche Punkte dieser Frage beleuchten. Vor Ostern wird in allen Städten und Flecken mit jüdischer Bevölkerung Geld unter die Armen für Mazzoth verteilt. Wenn die Hilfe auch nur in 1—2 Rubel besteht, so würden doch viele bei | der großen Not ohne diese Unterstützung die! Ausgaben für die Osterfeiertage nicht bestreiten i ö ö! können. Das im Werke zusammengetragene Ma- | terial bezieht sich im ganzen auf 1200 Orte, j Bedauerlicherweise sind darunter solche Städte wie | Odessa, Witebsk, Kiew und andere nicht in Be- : tracht gezogen. Betreffs Odessa, welches die; erste Stelle unter den geplünderten Städten ein- - nimmt, liegen andere Angaben vor, auf welche wir unten zurückkommen. Die Zahl der jü-; dischen Familien, die um Unterstützung zu Ostern i ersucht haben, betrug im Jahre 1898 in den; untersuchten Orten 132855. Die Gesamtzahl der Familien beträgt in diesen Orten 709248. Demzufolge bildet die Zahl der unterstützungs-