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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. Seite 16

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
N. Petresco-Commène [Rezension]
Date
1905-12-01
Page
Seite 16 (sequence 2)
Language
German
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rechtliche Natur der Staatsangehörigkeit und ] Naturalisation sind ebenso und besser in jedem j Kompendium des Staatsrechts zu lesen. Und was j das Buch sonst an historischem und statistischem j Material über die rumänischen Juden enthält, ist j sehr dürftig und mitunter aus sehr zweifelhaften j Quellen geschöpft. Um mit ein paar Worten auf den Inhalt des Buches einzugehen, so ist es dem Verfasser um j den Nachweis zu tun, daß die rumänischen Juden \ erst im Laufe des 19. Jahrhunderts gegen den Willen der rumänischen Regierung und mit Uebertretung der rumänischen Gesetze, welche die Einwanderung verboten, in Rumänien eingewandert seien- Sie hätten hiernach weder einen rechtlichen noch einen moralischen Anspruch darauf, das rumänische Bürgerrecht zu erhalten. Richtig sei zwar, daß durch Artikel 44 des Berliner Vertrages von 1878 den Juden die volle politische Gleichberechtigung in Rumänien gewährleistet werden sollte. Aber die rumänische Regierung habe sich mit Recht der Ausführung des Artikel 44 widersetzt, da das Lebensinteresse des rumänischen Staates gefährdet sei, wenn die Juden die volle Gleichberechtigung erhielten. Man dürfte erwarten, daß der Verfasser nun den Beweis für diese letztere Behauptung in exakter Weise anträte. Statt dessen finden wir — durch das ganze Buch zerstreut — nur vage Behauptungen, daß die Juden durch den Branntwein verkauf das Volk verdürben, daß sie sich stärker als die christlichen Rumänen vermehrten und daß sie als Kaufleute und Handwerker durch größere Geschicklichkeit und Erfahrung den Christen unerträgliche Konkurrenton seien. Davon, daß die Juden an der kommerziellen und industriellen Entwicklung des Landes den hervorragendsten Anteil genommen haben und nehmen und daß ihre Elimination den Zusammenbruch der jungen rumänischen Industrie bedeuten würde, findet sich in dem Buch keine Silbe. Der Verfasser kennt nicht einmal den im Jahre 1904 von der rumänischen Regierung herausgegebenen Bericht über die rumänische Industrie- Enquete, sondern benutzt zweite und veraltete Quellen. Das gilt für alle statistischen Angaben. Für die Geburtenhäufigkeit der Juden in Deutschland und Frankreich kennt der Verfasser z. B. keine neueren Daten als für die Jahre 1848 und 1850. Auf Seite 22 berechnet er die Zahl der Juden in der Moldau für das Jahr 1803 auf 3000 Familien oder 12 000 Seelen und nimmt diese Zahl zur Grundlage für alle weiteren Ausführungen, welche die rapide Vermehrung der rumänischen Juden beweisen sollen. In Wirklichkeit betrug aber — nach Ausmerzung eines Additionsfehlers in der Tabelle auf S. 21 — die Zahl der jüdischen Familien 3600 bis 3700 und dies entspricht einer Seelenzahl von mindestens 20 000 Juden. Damit fallen alle an die Existenz von nur 12 000 Juden geknüpften Folgerungen ins Wasser. Alles in allem: wieder einer der vielen Beiträge zur Judenfrage, die nichts zur Klärung beitragen, weil sie neben wenigen unsystematischen und unzuverlässigen tatsächlichen Angaben nur subjektive Gedanken des Verfassers bringen und aus Mangel an geeignetem Tatsachenmaterial dem Leser keine Möglichkeit geben, sich ein eigenes Urteil zu bilden. A. R. The Jewish Year Book. An Annual Record of Matters Jewish 5666. (London 1905). The American Jewish Jewish Year Book 5666; (Philadelphia 1905). Das englische Jewish Year Book, herausgegeben von Isidor Harris, liegt im 10., das amerikanische Jewish Year Book, herausgegeben von Cyrus Adler und Henrietta Szold, liegt im 7. Jahrgange vor. Beide Bücher, in ihrer Anlage überhaupt sehr ähnlich, haben die gleichen Vorzüge und die gleichen Mängel. Zu den Vorzügen rechnen wir die glänzende äußere Ausstattung und die systematische Gliederung des Inhalts, zu den Mängeln dagegen, daß sie sich zu viel mit den Personen und zu wenig mit den Dingen und Vorgängen innerhalb des Judentums beschäftigen. Das englische Jahrbuch bringt in jedem Jahrgange eine > uns völlig überflüssig erscheinende Rubrik „ Jewish Peerage and Baronetage" auf mehr als einem Dutzend Seiten und eine ebenso lange Rubrik» Anido- Jewish Celebrities", während die Personalbeschreibungen in der Rubrik;,Who is who in British Jewry" so.iar an 100 Seiten einnehmen. Die Statistik der Juden, deren Behandlung sonst dem Buche als Verdienst anzurechnen ist, wird dagegen auf 10 Seiten abgetan. In noch höherem Maße gilt das eben Gesagte von dem amerikanischen Jahrbuche, das fast zur Hälfte des Inhalts aus biographischen Mitteilungen über amerikanische Juden bestehe. Sollten die englisch lesenden Juden wirklich gerade diese literarische Kost verlangen? A. R. Uebungen auf dem Gebiete der Statistik und Demographie der Juden. Seminaristische Uebungen dieser Art werden in diesem "W.-S. in den Räumen der jüdischen Lesehalle in München unter der Leitung des Vorsitzenden des dortigen Vereins für Statistik der Juden, Dr. Cohen, jeden zweiten Sonntag im Monat Vorm. 10—12 Uhr abgehalten. Es wird ein Referat erstattet und Diskussion gepflogen. Bisher sprachen: Dr. Batke über die Volkszählung 1905, namentlich in Beziehimg auf die Erhebung der Konfession; stud. Teilhaber über die von ihm i vorgeschlagene Erhebung betr. die jüdischen | Studenten in Bayern; Dr. Straus über die baye- | rische Unterrichtsstatistik und ihre Ergebnisse I hinsichtlich der Juden. Die beiden letzten! Uebungen waren von etwa 30 Personen, meistens I Studenten, besucht. Am Schlüsse derselben j wurden aus je 5 Personen bestehende Kommis- | sionen gebildet, welche die betr. Prägen und die i vorgebrachten Anregungen weiter verarbeiten und! verfolgen sollen. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Arthur Rnppin, Charlottenbnrg. — Verlag des Bureaus für Statistik der Jnden, Halensee. — Drnck von R. Boll, Berlin.

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