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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. Seite 14

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
Die Resultate der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 in Deutschland
Date
1905-12-01
Page
Seite 14 (sequence 1)
Language
German
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Statistisches Archiv. Beulscliland. Die Resultate der Volkszählurag vom 1. Dezember 11)05 in Deutschland werden in ihren nach geraumer Zeit veröffentlicht Es dürfte deshalb angezeigt sein, zu vermerken, der in der Einzelheiten erst werden können, hier einen Umstand Zwischenzeit vielleicht der Vergessenheit anheimfällt und geeignetwäre, das statistische Bild zu verwirren. Durch die Judenverfolgungen in Rußland haben im Laufe des Monats November eine sehr große Zahl von Juden {meist Frauen und Kinder) Rußland verlassen und sich im Auslände, insbesondere in Deutschland und hier wiederum in Berlin niedergelassen. Diese Juden, die meist der wohlhabenden Klasse angehören, wollen natürlich nicht dauernd in Deutschland bleiben, sondern warten nur ruhigere Zustände in Rußland ab, um wieder dorthin zurückzukehren. Da sie jetzt bei der Volkszählung als russische Juden zur Registrierung kommen, wird sich gegen die letzte Volkszählung von 1900 zweifellos eine Vermehrung der Zahl der russischen Juden in Deutschland ergeben. Der von uns hervorgehobene Umstand soll dazu dienen, für diese Vermehrung ein sonst vielleicht nicht beachtetes Moment zur Erklärung heranzuziehen.;| Einwanderang und Naturalisation j: Paris, jj ausländischer Juden in Paris. Es ist ----:---:- bekannt, daß in den letzten beiden Jahrzehnten ein Teil der vielen aus Osteuropa auswandernden Juden sich auch nach Prankreich und insbesondere nach Paris gewandt hat. Eine genaue Statistik über die Einwanderung fehlt. In einer Pariser Korrespondenz des Jewish Chronicie vom 24. Februar 1905 wird die Zahl der Juden in Paris auf 60 000 bis 70 000 angegeben, was eine Zunahme von etwa 30- bis 40 000 in den beiden letzen Jahrzehnten bedeuten würde. Die meisten dieser Juden haben bereits die französische Staatsangehörigkeit erworben. Das geht daraus hervor, daß sich nach dem Annuaire Statistique 1903 (Paris 1904) in Paris bei der Volkszählung von 1901 nur 9846 russische und 5984 Österreich-ungarische Staatsangehörige (aller Konfessionen), dagegen 45 765 naturalisierte Ausländer befanden.;j Die Karaiten in Russland zählten MSSlaiid. \\ ji^ch der Volkszählung vom 28. Januar -- 1897 12 894 Seelen und zwar 6372 Männer und 6522 Frauen. 12 292 wohnten im europäischen Rußland, 215 in Polen, 204 im Kaukasus, 128 in Sibirien und 45 in Zentralasien. Sie teilen mit den Juden die Vorliebe für das Wohnen in den Städten, in denen 10 977, d. h. 84.9 % von ihnen lebten. Unter den einzelnen Gouvernements hat weitaus die meisten Karaiten das Gouvernement Taurien mit 6166; in weitem Abstände folgt das Gouvernement Cherson mit 2008 (darunter die Stadt Odessa mit 1049) und das Gouvernement Vfiina mit 576. Die Karaiten haben also bis heute die Halbinsel Krim (d. i. das Gouvernement Taurien), in die sie vor Jahrhunderten einwanderten, als ihren Mittelpunkt bewahrt. 70,5% unter ihren Männern und 49,9 °/0 unter ihren Frauen sind des Lesens kundig. Als Umgangssprache bedienen sie sich in der Mehrzahl der turko-tatarischen, das 9666 von ihnen sprechen; daneben hat das Russische unter ihnen 2632 und das Jüdische 383 Anhänger. Die einst so mächtige jüdische Sekte der Karaiten spielt nach den obigen Zahlen heut in Rußland eine verschwindend kleine Rolle, ihre Anhänger machen nur etwa 0,2 °/0 der jüdischen Bevölkerung Rußlands aus. Zahlreicher als in Rußland dürften die Karaiten in der Türkei sein, aus der jedoch statistische Nachweise nicht vorliegen. In Oesterreich, wo sich einige zerstreute karaitische Kolonien befinden, z. B. in Halicz (Galizien). geht ihre Zahl nicht über einige hundert hinaus. =====, Dje gahl der Juden in Schweden. Schweden. || Die vom königl. schwedischen statistischen Zentraibüreau herausgegebene Statistik Tidskrift bringt im 134. Heft (Stockholm 1905) folgende Angaben auf Grund der Volkszählung von 1900. männlich weiblich zusammen Gesamtbevölkerung 2 506 436 2 630 005 5186 441 darunter Juden 2 026 1 886 3 912 Gegenüber dem Jahre 1890, in dem die Gesamtbevölkerungund die Zahl der Juden 3102 (L77S Männer und 1624 Frauen) betrug, hat die Zahl der Juden also um 510 zugenommen. Unter der Gesamtbevölkerung machten die Juden im Jahre 1900 0,74 °/00 aus. Von den Juden gehören 1551 zu der vom Staate anerkannten jüdischen Religionsgemeinschaft (Kirche) an, 2361 haben dagegen sich zu eigenen Reiigionsverbänden zusammengetan. Die letzteren sind hauptsächlich strenggläubige Einwanderer aus Osteuropa, denen der Kultus der offiziellen jüdischen Religionsgemeinschaft nicht genügt. f==============^] £afal Und Verteilung der Juden in!| Norwegen, jj Norwegen. Nach den amtlichen Mit- —---=^ teilungen über die Volkszählung vom 3. Dezember 1900 (Folketaellingen i Konger iget Norge 3. Dezember 1900. Christiania 1904) gab es inNorwegen unter einer Gesamtbevölkerung von 2221477 Seelen 642 Juden, d. h. 0,36 °/00. Während von den Juden 565 87,9 % in Städten und nur 77 12,1 °/o in Landgemeinden wohnten, entfielen von der übrigen Bevölkerung nur 628 247 28,3 % auf die Städte und 1 592 588 71,7 % auf die Landgemeinden. Die meisten Juden, nämlich 343 zählte der Stadtkreis Christiania, neben dem nur noch der Stadtkreis Süd-Drontheim (Soudre Trondhjeni) eine erhebliche Anzahl Juden, nämlich 119 zählt. Von den übrigen 17 Stadtkreisen haben 5 gar keinen Juden, 4 je einen Juden, fünf 2—10 Juden, drei 20—30 Juden. Von den 18 Landkreisen zählen zwei 10—20, dreizehn 1—10 und 3 gar keinen Juden. Unter 642 Juden waren 20 nicht in Norwegen einheimisch, sondern nur vorübergehend anwesend.

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