Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Die jüdischen Gemeinden in Deutschland
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 — den ^einzelnen Staaten und in den Provinzen Preußens an. Danach zählt ganz Deutschland 1855 (öffentliche*) Synagogen, darunter 1089 in Preußen, 233 in Bayern, 144 im Großberzogtum Hessen, 140 in Elsaß-Lothringen und 117 in Baden. Unter den preußischen Provinzen hat die meisten Synagogen, nämlich 207, die Provinz Hessen- Nassau, am wenigsten, nämlich nur 8, die Provinz Schleswig-Holstein. Vergleicht man, wie in Tabelle I geschehen, auf wieviel Juden in den einzelnen Provinzen eine Synagoge entfällt, so erhält man das im ersten Augenblick überraschende Resultat, daß relativ am meisten Synagogen die von Juden am spärlichsten bewohnten Gebiete besitzen. So nimmt die erste Stelle Mecklenburg- Schwerin ein, in welchem auf 98 Juden bereits eine Synagoge kommt. Zur Erklärung ist darauf hinzuweisen, daß manche von Juden heut nur dünn bevölkerte Gebiete (z. B. Mecklenburg) früher eine zahlreichere jüdische Bevölkerung und rege gepflegten jüdischen Kultus hatten und daß ferner naturgemäß die dichter, insbesondere in großen Städten zusammenwohnende jüdische Bevölkerung zur Abhaltung ihres Gottesdienstes relativ viel weniger Synagogen braucht als eine gleich große, in vielen Orten zerstreute jüdische Bevölkerung. So sind z. B. in Berlin mit seinen 92206 Juden nur 8 Gemeindesynagogen vorhanden, sodaß erst auf ca. 11500 Juden eine Synagoge kommt; ebenso entfällt in Schlesien ohne Breslau auf 371 Juden, in Schlesien mit Breslau erst auf 618 eine Synagoge, in der Provinz Posen ohne die Stadt Posen auf 279, mit Stadt Posen auf 327 Juden. Schließlich ist zu berücksichtigen, daß in manchen großen Städten noch eine Anzahl Synagogen vorhanden sind, die von privaten Vereinen unterhalten werden, und die in der Tabelle, welche nur die öffentlichen Synagogen aufzählt, nicht enthalten sind. Tabelle II bringt die Zahl der Kultusbeamten, geschieden nach der Art ihres Amtes.**) Am *) Anm. Als öffentliehe Synagogen sind diejenigen angesehen, die im Eigentum einer Gemeinde stehen. **) Anm. Hierbei sind Kantoren, die zug!eich Eeligionslehrer oder Schächter oder beides zugleich sind, nur als Kantoren, Keligionslehrer, die zugleich Schächter sind, als Religiontslebrer, Schlichter, die zugleich Synagogendiener sind, als Schlichter aufgeführt. Prediger, oie nicht zugleich Rabbiner sind, sind als Kantoren oder Keligionslehrer, je nsch dem Amte, das sie aasüben, aufgeführt. Tabelle II. Provinz, Staat Zahl der JMscle yoUBscä.- Lelrer zusammen cfl C5 ±t o ot > *3> 1? O « ° 5 o o O s- * J=3 3 O 3§ i So Rabbiner Kantoren o t-c C o 'bp 'S C£ t~( CD o :cS "3 OQ Dienor o © "2 «s «3 CJ g o ~ r> . ° t2 SB ■~ V) © £ ■c Ö Jv| c o M c «3 o "3 US 2 o Ostpreußen . . 8 36 6 i 1 4 2 1 0 57 243 Westpreußen . H 71 10! 4 28 0 1 128 142 Berlin u Vor orte 15 15 65 7! 30 0 27 159 700 Brandenburg . 8 39 0 0 5 0 0 52 457 Pommern . . . 8 46 1 1 5 0 0 61 178 30 96 26! 9 59 4 62 286 124 Schlesien . . . 22 101 26 15 29 1 21 215 221 Sachsen .... 5 19 5 3 5 0 5 42 192 Schlesw.-Holst. 9 6 2! i 4 0 7 22 158 Hannover . . 4 22 10; 9 6 21 24 i06 145 Westfalen . . . 6 34 14 1 12 14 16 12 108 191 Hessen-Nassau 12 53 35 ' 2i 30 37 51 v42 199 Rheinprovinz . 14 77 10 20 33 8 13 180 290 Hohenzoliern . 0 1 0 2 0 2 0 5 106 Kgr. Preußen . 148 616 210 III 250 117 201 165S 237 „ Bayern. . . 25 115 49 26 28 56 29 328 167 „ Sachsen . . 3 8 9 0 4 0 0 24 517 „ Württembg. 12 35 4 4 18 14 6 93 128 Grhzgt.Badeii. 15 75 36 5 23 4 6 164 159 „ Hessen . . . 7 80 36 12 13 8 1 132 185 „ Mecklenbg.- Schwerin. . 1 8 2 0 0 0 0 11 160 „ Mecklenbg.- Strelitz. . . 0 1 0 0 0 0 0 1 165 „ Sachsen- W'eimar- Eisenach . . 1 8 0 4 2 1 0 16 74 , Oldenburg . 2 5 1 1 6 2 0 17 79 Hzgfc. Sachsen- Meia in gen . 1 3 3 4 0 1 0 12 114 „ Anhalt . . . 2 5 2 0 1 0 0 10 160 » Brannschweig . . 1 5 2 0 0 0 0 8 223 übrige Bundesstaaten . . . 1 8 6 0 0 0 1 16 138 1 1 1 0 1 0 0 4 167 Bremen .... 1 1 0 0 1 0 0 3 469 Hamburg.... 3 3 6 3 4 0 0 19 945 Elsaß-Lot bring. 33 144 2 10 53 0 48 290 III Deutsch. Reich |217|ll0l|369|l8o|404|l7l|299|274l|214 zahlreichsten sind die Kantoren, weil die meisten Gemeinden nicht imstande sind, mehrere Beamte zu besolden, und für diese der Kantor der typische Kultusbeamte ist, der alle notwendigen Kultusfunktionen ausübt und Religionsunterricht erteilt.