Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Die Zahl der jüdischen Studierenden in Russland
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 16 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2650397-3187624-3187633-3188364--0346-3188401- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
- Tomsk 1× ep/2160898
OCR text
— 16 - Materialien zur ökonomischen Lage der Juden in Rußland (Petersburg 1904. Bd. II S. 364) angegeben. Es studierten 1 in absoluten Zahlen in % aller Studierenden Juden an im Jahre im Jahre der Universität, i 1880 1886 1899 j 1880 1886 1899 St. Petersburg 73 290 158 4.4 12,7 4,4 Moskau . . . 99 \nicht 153 5,2 — 3,5 Charkow . . 39 / erh. 346 5,9 — 23,2 Odessa . . . 41 178 188! 11,9 30,9 27.5 Kasan. . . . 1 7 84 76 \ 1,0 8,7 8,9 Kiew . . . . j 159 276 472 ' 15,2 15,2 17,9 Dorpat . . . | 45 241 156 4,2 15,2 15,8 Warschau. . j 93 163 188 11,6 14,7 16,8 Tomsk . . . 1 nicht erhob. 20 — — 5,4 Sa. 556 j1232 1757 6,8 14,8 10,9 Aus der Tabelle geht hervor, daß die Zahl der studierenden Juden seit dem Jahre 1880 bis zum Jahre 1899 von 556 auf 1757 gestiegen ist. Die Zahl der nichtjüdischen Studierenden betrug im Jahre 1880 7637, im Jahre 1886 7110 und im Jahre 1899 14413. Während hiernach der prozentuale Anteil der Juden unter allen Studierenden von 6,8% im Jahre 1880 auf 14,8% ini Jahre 1886 gestiegen war, ist er seit diesem Jahre infolge der von der russischen Regierung eingeführten Beschränkungen inbetreff der Zulassung der Juden zu den Universitäten auf 10,9% gesunken. Wie gering im Verhältnis zu den Juden in anderen Ländern der Besuch der russischen Universitäten durch Juden ist, beweist der Umstand, daß auf je 10000 jüdische Einwohner jüdische Studierende an inländischen Universitäten entfielen: in im Jahre 1899 27,6 Oesterreich . . . 1901/02 24,9 1903 33,9 1899 3,5 Die Juden in Rußland entsenden also nur etwa den zehnten Teil sowiel Knaben auf die einheimischen Universitäten als die Juden in Oesterreich und Ungarn. *) einschließlich der Eechtsakademien imd des Polytechnikums in Budapest. Literatur. Dr. Walter Abelsdorff. Die Wehrfähigkeit zweier Generationen mit Rücksicht auf Herkunft und Beruf. (Berlin 1905, G.Reimer, 76 S. 2 M.) R. Kuczynski. Ist die Landwirtschaft die wichtigste Grundlage der deutschen Wehrkraft? (Berlin 1905, Beruh. Simion Nf. 75 S. 1 M. Heft 213,214 der „Volkswirtschaftlichen Zeitfragen", herausgegeben von der volkswirtschaftlichen Gesellschaft in Berlin) Dr. med. C. Röse. Beruf und Militärtauglichkeit. (Aus „Politisch - Anthropologische Revue" IV. Jahrgang No. 3, S. 124-150. Die vorstehenden Untersuchungen lassen zwar das konfessionelle Moment unberücksichtigt, sind aber doch für eine noch zu liefernde Arbeit über die Militärtauglichkeit der Juden bedeutsam, da die dort behandelten Probleme, insbesondere die Herkunft (Stadt nnd Land) und der Beruf der Militärtauglichen bei dem großen Kontingent der jüdischen Städter einerseits und der geringen Zahl der jüdischen Landwirte andererseits, auch tür die Frage der Militärtauglichkeit der Juden von großer Wichtigkeit soin würden. Kuczynski und Röse benutzen als Quelle für ihre Ausführungen die von den statistischen Aemtern Württembergs, Bayerns und des Reichs in den letzten Jahren veranstalteten Erhebungen über Gebürtigkeit und Beruf der Rekruten, während Abelsdorff sich hauptsächlich auf eine unter Tapezierern, Metallarbeitern und Buchdruckern vorgenommene Enquette stützt. Röse und Abelsdorff kommen (wie schon früher Sering) zu dem Schlüsse, daß die Landbevölkerung prozentual erheblich mehr Militärtaugliche stellt als die Stadtbevölkerung, Kuczynski dagegen bestreitet (wie schon früher Brentano und Elben), daß der Landbevölkerung eine Ueberlegenheit gegenüber der Stadtbevölkerung zukomme. Alle 3 Schriften sind lesenswert und zeigen das Streben, dem Problem objektiv gerecht zu werden. Daß sie trotzdem zu verschiedenen Ergebnissen gelangen, scheint uns darzutun, daß es noch weiterer als der bisherigen recht summarischen und lückenhaften statistischen Erhebungen bedarf, um zu gesicherten Resultaten zu gelangen. Anton Bing. Statistische Untersuchungen über private Wohltätigkeitspllege mit besonderer Berücksichtigung der Teilnahme der Konfessionen an derselben* Frankfurt a. M., Baer & Co. 1904, 115 S. Das Buch Bings enthält in 4 Abschnitten einen Ueberblick über Mitgliederstand, Mitgliederbeiträge und Gabeneingänge bei 182 Wohltätigkeitsvereinen in SüddeutschTand und im Reg.-Bez. Wiesbaden für den Zeitraum 1889 bis 1893 mit Angaben über die Konfession der Mitglieder, Spender usw. Außerdem sind die Ergebnisse der Sammlung für die im Jahr 1897 durch Hochwasser Geschädigten wiedergegeben, und neben verschiedenen Frankfurter Sammlungen auch die der „Rappel" und „Figaro* bei dem Brande des Wohltätigkeitsbazars herangezogen. Die Studie bietet in ihrem reichhaltigen Material eine recht beachtenswerte Vorarbeit für eine ganz Deutschland umfassende Bearbeitung der Wohltätigkeitspflege mit Berücksichtigung der Teilnahme der Konfessionen an derselben. R. Wassermann. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Arthur Ruppin, Charlottenburg. — Verlag des Bureaus für Statistik der Juden, Halensee. — Druck von R. Boll, Berlin.