Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 8 (August 1905)
- Article
- Die berufliche Gliederung der Juden in Oesterreich
- Date
- 1905-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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während bei den Katholiken nicht ganz ein Drittel hierzu gelangt Die Zahl der jüdischen Angestellten ist im Verhältnis dreimal so groß als die der christlichen, die Arbeiterziffer nicht ganz halb so groß. Diese Verhältnisse wiederholen sich, wie Tabelle VII zeigt, mit gewissen Schwankungen in allen vier Hauptberufsklassen. Die Tabelle Vif. Es sind von j.1000 in einer d. neoensteh. Haintberufsklass. "berufstätig. Kathol. iDzw.Jud.ihrer soc.Stlig.nacli Landwirtschaft Kath.i Jud. Industrie Kath.j Jud. Handel u. Verkehr Kath.j Jud. Öfftl.u.Miiit.- Oienst, freie Berf.. Berufs- 1-. se Kath.j Jud. Selbständ. 261 338 179 461 321 529 685 745 Angestellte 2 33 20 81 107 100 136 147 Arbeiter . 159 76 738 343 356 144 176 106 TagiÖhner 95 145 34 12 183 123 2 0,2 Mithlf.Fain.- Mitglied. . 483 408 29 103 33 104 1 2 lOOOilOOO 1000 1000 1000 1000 1000 1000 Quoten der Taglöhner unter den Juden sind in allen Berufsklassen unternormal mit Ausnahme der Klasse Handel und Verkehr, wofür oine relativ hohe Ziffer ausgewiesen ist, nämlich 21 838 Personen. Hiervon entfallen 20 508 auf „Lohnarbeiten wechselnder Art", d. h. also auf Leute, die überhaupt keinen Beruf haben und durch Gelegenheitsarbeiten von der Hand in den Mund leben. Von diesen 20 508 Tagelöhnern leben 19 233 88,1 % in Galizien, nur 1275 im übrigen Oesterreich. Die amtliche Bearbeitung bezeichnet dieses Resultat als den „zahlenmäßigen Ausdruck des jüdischen Massenelends Galiziens.u Was den Anteil der Frauen am Erwerbsleben anbelangt, so ergibt sich zunächst aus der letzten Spalte von Tabelle V, daß das weibliche Element bei den Juden in viel geringerem Maße am Erwerbsleben teilnimmt als bei den Katholiken. Bei den Katholiken sind nämlich unter je 1000 Berufstätigen 421 weiblich, bei den Juden nur 256. Am stärksten ist die Abweichung in der Land- und Forstwirtschaft, wo bei den Katholiken das weibliche Element sogar überwiegt (unter 1000 Berufstätigen sind 505 weiblich), während unter 1000 in der Land- und Forstwirtschaft berufstätigen Juden nur 397 weiblich sind. Wir möchten dieses Verhältnis darauf zurückführen, daß die Juden zu einem weit größeren Teile als die Christen als Verpächter von Land oder Großgrundbesitzer, dagegen zu einem geringeren Teile als selbstwirtschaftende Bauern beschäftigt sind. Nun ermöglicht und verlangt aber gerade der bäuerliche Betrieb am meisten die Mithilfe aller Familienmitglieder, also insbesondere der Frauen, und die geringere Zahl jüdischer Bauern hat deshalb auch eine geringere Zahl landwirtschaftlich berufstätiger Frauen zur Folge. Näheres über die Berufsstellung der Frauen ergeben die Tabellen VIII und IX. Tabelle VIII. Von je 1000 berufstätigen Frauen sind: unter den Selbstd. Angest. jArbeiterjTaglöhn. FJS^, Katholik.. Sonst.Chr. Juden. . . 196 183 450 11 198 8 j 135 30! 121 77 518 104! 570 79 i 320 Tabelle IX. Es sind von je 1000 berufstätigen Frauen der Hauptberufsklassen: unter den Landwirtsch. Industrie Hand.u.Verk. Öffntl. Dienst Selbst JMitüf. Selbst. ImiW. 8eR?st.|Mithf Seil st.Ulithf Katholiken Sonst. Chr. Juden . . . 61 | 706 86! 704 112! 708 147 137 317 95 81 300 529 1 83 460 76 369 1 345 914 2 939 1 943 2 Was oben für die Frauen gesagt ist, gilt auch für die Teilnahme der (männlichen und weiblichen) Familienmitglieder am Berufe des Familienhauptes überhaupt. Auch die Zahl der mithelfenden Familienmitglieder ist nämlich bei den Juden bei weitem geringer (nur etwa V4 so groß) wie bei den Katholiken, und auch hier ist dies Verhältnis darauf zurückzuführen, daß die Juden erstens einmal nur etwa 1/4 so stark in der Landwirtschaft berufszugehörig sind als die Katholiken und daß sie, selbst wo sie zur Landwirtschaft gehören, zu einem geringeren Teile als die Katholiken selbstwirtschaftende Bauern sind. Die hohe Zahl der mithelfenden Familienmitglieder bei den Katholiken ist lediglich durch den hohen Prozentsatz zu erklären, in dem sie als kleine Landwirte berufstätig sind.