Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1905)
- Article
- Sterbefälle in Berlin im Jahre 1903
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 10 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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— 10 — Statistisches Archiv. Berlin. Sterbefälle in Berlin im Jahre 1908. Es starben (nach dem Statist. Jahrbuch der Stadt Berlin. 28. Jahrg. Berlin 1904), Christen Juden mKn:!l. J weibl. zus. m. w. zus. über 15 Jahre alt 9 048! 8 061 17 709 505 457 962 unt. 15 „ „ 6 960 5 988 12 9*8 142 121 263 Sa- 16 008 14 649 |30 657 647 j 578 1225 Danach kamen auf je 1000 Einwohner gleichen Geschlechts und gleicher Konfession (nach der Volkszählung vom 1. 12. 1900) Gestorbene: Christen Juden ] m Knill, j weibl. zus. raännl.j weibl. zus. über 15 Jahre alt 10,571 9,21 9,86 10,74 10 11 10,43 unt. 15 „ „ 8,13! 6,37 i 7,21 3,02 2,68 2,85 Sa. 18,70j 15,58 17,07 13,76; 12,79: 13,28 Die Juden haben hiernach eine niedrigere Sterbeziffer (13,28 pro mille) als die Christen (17,07) und zwar ausschließlich infolge der geringeren Sterblichkeit der jüdischen Kinder (unter 15 Jahre alten Personen), bei denen die Sterbeziffer (2,85 pro mille) ganz außerordentlich gering ist. Der Grund hierfür dürfte einerseits in der geringeren Geburtenhäufigkeit bei den Juden, andererseits in dem durchschnittlich größeren Wohlstande der Juden und der den Kindern zuteil werdenden besseren Pflege zu suchen sein. Berlin. Juden mit nichtdeutscher Muttersprache in Berlin gab es •-_=====. alll im i2. 1900 4 197, d. h. 4,55% der gesamten in Berlin gezählten 92 206 Juden. In den 23 Vororten «:<tb es unter den daselbst gezählten 26 240 Juden 815 3,11% mit nichtdeutschcr Muttersprache, darunter inCharlottcnburg 546=5,63% der daselbst insgesamt gezählten 9 701 Juden. Von den eine fremde Muttersprache sprechenden Juden waren in Berlin 2 498 männlich und 1 699 weiblich, in den 23 Berliner Vororten 414 männlich und 401 weiblich (darunter insbesondere in Charlottenburg 290 männlich und 256 weiblich). Der Staatsangehörigkeit nach waren unter den 92 206 Juden in Berlin"ll 651 12,64% Ausländer (Nichtdeutsche), unter den 1 796 642 Christen 23 491 -= 1,31 °/0. (Statist. Jahrbuch der Stadt Berlin 1903.) I i ~"| Jahresbericht des Deutschj Berlin. j israelitischenGemeindebundes. - ~ Nach den vom Deutsch-Israelitisch. Gemeindebunde (D. I. G. B.) im Mai 1905 herausgegebenen „Mitteilungen" (No. 64) gehörten dem D. I. G. B. im Frühjahr 1905 867 jüdische Gemeinden in Deutschland (gegenüber 736 im Frühjahr 1902) als Mitglieder an, die insgesamt 34 076 M. Mitgliedsbeiträge zahlten. Das Vermögen des D. I. G. ß. und der von ihm verwalteten Stiftungen betrug am 31. 3. 1905 nach Abzug der Schulden 612 062 M., (gegenüber 465 578 M. im Jahre 1902), wrovon 191 627 M. das eigene (nicht für besondere Stiftungszwecke festgelegte) Vermögen des D. I. G. B., die übrigen 420 435 M. das Vermögen der vom D.I.G.B. verwalteten Stiftungen bilden. Unter letzteren sind die wichtigsten: die Friedrich Wilhelm-Victoria-Stiftung (Unterstützung und Versicherung von Beamten) mit einem Vermögen von 249 726 M. die S. u. E. Brünn-Stiftg. m. ein. Verm. v. 40 936 „ , PhiliDpson- „ , „ „ „ 37 039 „ „ Dr M. Silberstein- „ * „ „ „ 30 000 „ Der Etat für das Jahr 1905/1906 weist — abgesehen von denjenigen Stiftungen, deren Leistungen durch Statut festgelegt sind — in Ausgabe den Betrag von 96 915 M., in. Einnahme den Betrag von 95 490 M. auf. Die Einnahmen setzen sich außer aus den oben angegebenen Mitgliedsbeiträgen hauptsächlich aus den Zinsen des Vermögens und den Ueberweisungeu aus den Abschlußprämien der Versicherungs-Geselischaft Victoria zusammen. Unter den Ausgaben figurieren: für Unterstützung: des Religionsunterrichts in kleinen Gemeinden........... 18000 M. „ Bau-Unterstützung, an kleine Gemeind. 3 000 „ „ Unterstützung literarischer Werke ... 2 500 „ „ das Statistische Jahrbuch......... 3 500 „ „ Gehälter, Bureau-Unkosten und Porti. 14100 „ „ die jüd. Arbeiterkolonie in Weissensee 3 750 „ „ das Archiv der deutschen Juden .... 3 600 „ „ d. Fürsorge-Anstalt, in Repzin(l9000M.) und Plötzensee (8 350 M.)......... 27 350 „ Provinz Hessen. Ein deutsches Dorf mit überwiegend jüdischer Bevölkerung. Während es in Rußland und Oesterreich eine große Anzahl von Städten und Dörfern gibt, in denen die Juden die Mehrheit der Einwohner bilden, dürfte ein solcher Ort in Mitteldeutschland eine Singularität und deshalb der Erwähnung wert sein. Es ist das Dorf Rhina in der Provinz Hessen-Nassau, das (nach der Volkzählung vom 1. 12. 1900) unter 569 Einwohnern 297 Juden zählt. Der Grund für den hohen prozentualen AnteiL der Juden dürfte, wie uns Herr Lehrer Sonn in Rhina auf unsere Anfrage mitteilt, darin zu suchen sein, daß die Juden in Hessen früher nur ein örtlich sehr beschränktes Wohnrecht hatten und daß gerade die Ritterschaft, zu der der Ort Rhina gehörte, den Juden zum Wohnen freigegeben war. Die Mehrzahl der Juden in Rhina beschäftigt sich mit dem Viehhandel; im Gemeinderate sind unter 12 Mitgliedern 9 Juden. Orte, in denen die Juden ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen, giebt es übrigens in Deutschland mehrere; wir nennen z. B. Rexingen (Würtembg) mit 387 Juden unter 1080 Einw.