Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. Seite 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
A. D. Elkind [Rezension]
Date
1905-05-01
Page
Seite 16 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2650397-3187624-3187630-3188184--0223-3188225
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 16 — diesem Gebiete bisher meist vergeblich gesuchten Gründlichkeit in sechs Abschnitten j 1. Die beschreibenden Merkmale (Haut, Haare, j Augen), \ 2. Die Maße des Kopfes, j 3. Die Maße des Gesichts,! 4. Die Maße des Körpers, j 5. Die Maße der Extremitäten, j 6. Das Gewicht, | und zieht zum Schlüsse aus dem gesamten Material mit Vorsicht und Sachlichkeit die allgemeinen Folgerungen. Das Buch wird für alle folgenden anthropologischen Arbeiten über die Juden als Vorbild einer gewissenhaften und erschöpfenden Arbeit zu gelten haben. Wenn wir etwas anders gewünscht hätten, so wäre es dies, daß der Verfasser die Zahl der wiedergegebenen Photographien von Juden durch eigene Aufnahmen ausgewählter Typen noch vergrößert hätte. Das Buch würde dadurch nicht nur eine wissenschaftliche Bereicherung erfahren, sondern sich auch außerhalb der Fach-Anthropologen einen größereu Leserkreis erworben haben, so daß vielleicht die so wünschenswerte Uebersetzung in eine westj europäische Sprache möglich gewesen wäre. i A. R. C. H. Stratz. Was sind Juden? Leipzig 1903. 30 Seiten. Der Verfasser behauptet, daß der heutige Typus der Juden nicht in ihrer Rassenabstammung begründet, sondern eine Folge der Inzucht sei. Man könnte darüber hinwegsehen, daß nach dem heutigen Stande der Anthropologie so gut wie alles gegen und nichts für diese Ansicht spricht, wenn der Verfasser versucht hätte, seine Behauptung ernsthaft zu begründen. Aber was er in dieser Hinsicht vorbringt, ist so nichtssagend, daß der Schrift jeder wissenschaftliche Wert abgesprochen werden muß. A. R. AnatoleLeroy=Beaulieu. Les Immigrants Juifs et le Judaisme aux Etats-Unis. Paris 1905. 40 S. Das Buch ist die Veröffentlichung eines Vortrages» den der Verfasser, den man unzweifelhaft zu den besten Kennern der sozialen Verhältnisse der Juden rechnen darf, am 18./12. 1904 in der Societe des Btudes Juives gehalten hat. Leroy-Beaulieu gibt darin auf Grund persönlicher Reise-Eindrücke in Amerika eine kurze anschauliche Schilderung von dem Leben der jüdischen Einwanderer. Den Grundton bildet das Erstaunen über die außerordentliche Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit der die armen gedrückten Einwanderer sich den neuartigen Verhältnissen anpassen und aufrechte und tüchtige amerikanische Bürger werden. A. R. H. A. Krose. Konfessionsstatistik Deutschlands. Freiburg i/B. 1904. 198 S. 3,60 M. Eine sehr gute und fleißige Arbeit über die numerische Ent Wickelung der Konfessionen in Deutschland im 19. Jahrhundert. Der katholische Verfasser faßt allerdings ganz vorwiegend die Protestanten und Katholiken ins Auge und streift die Juden nur nebenbei. Doch ünden sich auch über sie in dem Buche manche sehr übersichtliche und brauchbare Zusammenstellungen. A. R. Mitteilungen. Vortrag im Verein für die Statistik der Juden in München. Am 20. März hielt im Verein für die Statistik der Juden (München) Herr Dr. med. M. Epstein einen Vortrag über „Krankheiten und Sterblichkeit bei den Juden", an dessen Schlüsse der Vortragende seine Ergebnisse folgendermaßen zusammenfaßte: Die Sterblichkeit ist bei den Juden geringer als bei der übrigen Bevölkerung. Dies ist z. T. auf die geringere Kindersterblichkeit zurückzuführen, z. T. auf AlkohoLabstinenz, bessere Pflege, auf das Fernhalten von gefährlichen Berufen. Sie ist keine Rasseneigentünili-bkeit. Die geringere Kindersterblichkeit ist im Westen auf die bessere soziale Lage, im Osten auf das Stillen durch die Mutter, überall auf die bessere Pflege und geringere Geburtenfrequenz zurückzuführen. Es liegt kein Grund vor, besondere Lebenszähigkeit der Rasse anzunehmen. Die geringere Geburtenfrequenz ist bedingt durch die bessere ökonomische Lage. Sie ist im allgemeinen künstlich hervorgerufen, möglicherweise spielt Neurasthenie eine Rolle. Wegen der großen Differenz zwischen Westen und Osten ist sie nicht als Rassen-! eigentümlichkeit zu betrachten, sondern Variabilität I anzunehmen. | Die Morbidität der Juden ist statistisch noch j nicht genügend erfaßt. Jedenfalls liegt keine Immunität gegen Infektionskrankheiten vor. Vorhandene Verschiedenheiten sind zu erklären durch die bessere soziale Lage, die Berufswahl, die Enthaltung vom Alkohol, die frühe Eheschließung. Relativ groß ist der Anteil der Juden an Geisteskrankheiten. Dies ist aber nicht eine Folge sozialer Verhältnisse (Judenverfolgungen). Vielmehr ist eine erhebliche neuropathische Belastung anzunehmen, welche durch Verwandtschaftsehen neuropathisch Belasteter gesteigert wurde, sowie allgemeine große Reizsamkeit der Juden, aus der sich ihre Anpassungsfähigkeit, sowie mannigfache Vorzüge und Fehler der jüdischen Psyche erklären lassen. Ihre Reizsamkeit ist ein Rassenfaktor. Sie hat sich ausgebildet auf dem Wege der Auslese. Dem Vortrag, der durch Demonstration an einigen Tabellen und Diagrammen unterstützt war, folgte eine anregende Diskussion, an der sich die Herren Dr. Theilhaber, Dr. WTerner, Dr. Lesser und Wassermann beteiligten. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Arthur Ruppin, CharlOttenburg. — Verlag des Bureaus für Statistik der Juden in Haiensee. — Uruck von R. Boll, Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.