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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. Seite 14

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Zahl und Bewegung der jüd. Bevölkerung in Warschau
Date
1905-05-01
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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— 14 - Totgeburten -wurden gezählt im Jahre 1901 boi den Juden..... 446 5,68 % aller Geburten „ Nichtjuden . 757 4,13 „ „ Die größere Häufigkeit der Totgeburten bei den Juden gegenüber den Christen steht im Gegensatze zu den Verhältnissen in den westeuropäischen Ländern; die Richtigkeit dieses Teils der Warschauer Statistik vorausgesetzt, würde dies beweisen, daß die Verschiedenheit in der Totgeburtenziffer nicht von Rassenunterschieden, sondern von sozialen Unterschieden, insbesondere den hygienischen, Vermögens¬ und Berufsverhältnissen der Eltern abhängt. Die Zahl der Eheschließungen betrug: in absol Zahlen auf je lüOOKinw. gleicher Konf. 1882 1891 1901 1882il89l|l901 bei den Juden..... 82t 1384jl710 3650j4500;6210 6,46; 8.75j 6,71 9,49 9,67j 8,72 „ der Gesamtbevölk. Gestorben sind: 1882 1891 1896 1901 Griech.-Kath. Röm.-Kath. Protestanten Juden Sonstige 425 7 840 605 3 113 453 244 6 873 401 3 205 1 339 8 252 450 3 992 2 401 9 847 420 4 74* 4 Sa. Gestorbene gleicher Konfes 12 436 10 724 ] 13 035 j 15 416 entfallen auf je 1000 Einwohner sion: 1882 1391 1896 1901 Griech.-Kath. Röm.-Kath. Protestanten Juden Sonstige 38,02 34.45 33,31 24,48 16,47 24,99 23.75 20,27 15,98 25,77 27,83 20,42 11.21 24,59 20,77 18,22 Sa 32,34 | 23,05 j 23,54! 21,65 Die (relative) Sterbeziffer bei den Juden ist nach der Tabelle im Einklang mit der günstiger gewordenen Sterblichkeit bei der Gesamtbevölkerung von 1882 bis 1901 ständig und erheblich zurückgegangen. Sie beträgt 18,22 °/0 pro miile (im Jahre l9Öi)"uud ist damit geringer als die der Römisch-Katholischen und Protestanten, aber erheblich höher als die der Griechisch-Katholischen, bei denen sie nur 11,21 pro Mille betrug. (Mouvcment de la population de la ville de Varsovic, puplie par le Service statistique de la ville de Varsovie. Warschau 1902) —~ - Zur Geschichte der chi- China. nesischen Juden. Unter diesem 1 Titel veröffentlicht Dr. Berthold Laufer im Globus vom 13. April 1904 eine Abhandlung, die sich mit der Herkunft der Juden in K'ai fong tu, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Könau, beschäftigt. Laufer tritt der Ansicht namhafter Sinologen, daß die Juden, deren Anwesenheit in K'ai fong fu bekanntlich bereits im Anfang des 17. Jahrhunderts durch Jesuiten festgestellt und nach Europa mitgeteilt wurde, zur Zeit der Han-Dynastie im ersten nachchristlichen Jahrhundert über Persien und Centraiasien nach China eingewandert seien, entgegen. Diese Ansieht beruhe auf der Tradition der Juden, wie sie in den in der Synagoge von K'ai fong tu gefundenen vier Vertikalinschriften niedergelegt sei. Diese Inschriften, von denen die älteste vom Jahre 1489, die zweite vom Jahre 1512 und eine dritte vom Jahre 1663 datiert ist, (sie sind übrigens neuerdings durch den Jesuitenpater Tobar in einer Abhandlung in den Varietes sinologiques Nr. 17, Schanghai 1900 herausgegeben und übersetzt worden) könnten aber nicht als zuverlässige Quelle angesehen werden, sondern bestrebten sich zweifellos, die erste Einwanderung der Juden nach China in immer frühere Zeiten hinaufzurücken. Das gehe besonders augenfällig daraus hervor, daß die jüngste Inschrift einen noch viel früheren Zeitpunkt für die erste Einwanderung angebe als die älteste Inschrift. Laufer kommt auf Grund eines kritischen Eingehens auf den Inhalt der Inschriften zu dem Ergebnis, daß die Juden in K'ai fong fu aus Indien eingewandert seien und zwar in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, da mit dem Bau der Synagoge in K'ai fong fu bereits im Jahre 1163 begonnen wurde. Wahrscheinlich habe sie der Baumwollhandel aus Indien nach China geführt, da in der ältesten Inschrift ausdrücklich angegeben ist, daß sie Baumwolle als Tribut aus Indien mitgebracht hätten. Laufer stützt seine Annahme außer auf den Text der Inschriften noch darauf, daß die Juden von K'ai fong fu selbst, als sie im Jahre 1851 im Auftrage der London Society for promoting Christianity amongst the Jews von christlichen Missionaren besucht wurden, ihre Religion als „indische Religion" bezeichneten. Uebrigens sieht Laufer die (in den letzten Jahr - zehnten alimählich untergegangene) Judenkolonie in K'ai fong fu als die letzte einer großen Anzahl von Judenkolonien an, die in China einst bestanden hätten. Die Juden, die schon in sehr früher Zeit aus Persien auf dem Seewege nach Indien gekommen seien, hätten sich vom 9. Jahrhundert ab den großen Handelsfahrten, welche die Araber und Perser von den indischen Küsten nach Ostasien unternahmen, angeschlossen; schon für das Jahr 878 sei die Anwesenheit von Juden und Mohamedanern in Südchina durch einen arabischen Autor bezeugt. In den späteren Jahrhunderten mehren sich die Nachrichten über den Aufenthalt der Juden an verschiedenen Orten Chinas und zugleich sei ein etappenweises Vorrücken der Juden vom südlichen in das nördliche China zu verfolgen. Die hier geschilderte Einwanderung und Verbreitung der Juden habe übrigens ein genaues Analagon in der Gegenwart; denn es gebe in Hongkong und Schanghai eine ansehnliche Menge Juden, welche das Arabische als ihre Muttersprache sprechen und sämtlich entweder auf dem Wege über Indien oder aus Indien selbst nach China eingewandert seien.

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