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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-05-01 · Heft 5 (Mai 1905) · p. Seite 13

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 5 (Mai 1905)
Article
Definitive Ergebnisse der russischen Volkszählung v. 1897
Date
1905-05-01
Page
Seite 13 (sequence 2)
Language
German
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- 13 — Es ergibt sich aus dieser Aufstellung, daß die meisten Juden (430 489) das Gouvernement Kiew zählt. Relativ am dichtesten wohnen die Juden in den Gouvernements Grodno und Minsk, wo sie 17,5% bezw. 16,1% der Gesamtbevölkeiung ausmachen. Von den zum sog. Ansiedlungsrayon gehörenden Gouvernements (es sind die oben angeführten 10 polnischen und sämtliche unter Europ. Rußland angeführten mit Ausnahme von St. Petersburg, Kurland und Livland) hat absolut am wenigsten Juden das Gouvernement Plotsk (51 215), relativ am •wenigsten (4%) das Gouvernement Poltawa. Weitaus die Mehrzahl der Juden spricht jüdisch (jüdisch-deutsch) als Umgangssprache. Unter den 15 russischen Gouvernements des Ansiedlungsrayons gibt es nur 2 (Cherson und Tauris), in denen die Zahl der jüdisch Sprechenden unter 98% sämtlicher Juden fällt (nämlich auf 97,8 und 91.2%). Von den 10 polnischen Gouvernements sprechen in 7 mehr ais 99% alier Juden jüdisch, nur in Warschau. Kaiisch und Petrokow sinkt dieser Prozentsatz auf 90.1% bezw. 89,6% *>ezw. 96% herab. Selbst in den nicht zum Ansiedlungsrayon gehörenden Geuverneraents Livland, Kurland und St. Petersburg sprechen etwa 75% aller Juden jüdisch, und in den Gouvernements des Kaukasus und Sibiriens wird dieser Prozentsatz sogar noch übertroffen. Nur in den Gouvernements Baku und Tifiis sinkt er auf 64,1 bezw. 66,7%. Warschau Zahl und Bewegung der |üd. Bevölkerung in Warschau. Es wurden in Warschau gezählt: im Jahre Personen darunter Juden | überhaupt j in absoluten j in % der! I Zahlen I Gesamtbevölk. 1882 382 964 127 917 33,40 1891 465 272 158154 33,99 1895 553 643 195 481 35.31 1901 711 988 254 712 35,77 Die absolute Zahl der Juden hat sich also in den 20 Jahren von 1882—1901 in Warschau verdoppelt, wodurch Warschau unter allen Städten Europas bei weitem die meisten Juden zählt und unter den Städten der ganzen Welt nur von New York mit seinen mehr als 600000 Juden übertroften wird. Prozentual ist der Anteil der Juden unter der Gesamtbevölkerung in Warschau von 1882 bis 1901 von 33,40 % auf 35,77 % gestiegen. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug in absoluten Zahlen: 1882 j 1891 1! 1896 1901 bei den Griech.-Kath. 401 649 669: 921 „ Röm.-Kath. 9180 11437 13 686: 16 651 „ Protestanten 819, 780: 714! 774 „ Juden 3 899; 5 849 7 836| 7 858 „ Sonstigen 692; 686: .'»i oj — bei der Gesamtbevölk. 14991! 19 401! 22 908; 26 204 Die Zahl der Lebcnd^eborenen betrug auf je 1000 Einwohner gleicher Konfession: 1882 1891 1896 i 1901 bei den Griech.-Kath. „ Röm.-Kath. „ Protestanten „ Juden „ Sonstigen 35,87 | 43,80! 31.53! 25,76 40,34! 41,58! 42,73 | 41,50 45,09 i 46,21 | 44,15 | 38,28 30,65 1 36,98 ] 40,09; 30,85 bei der Gesamtbevölk. 38,99; 4=1.70 j 41,38! 36,80 In dieser Tabelle sind die starken Schwankungen in der relativen Geburtenhäufigkeit auffällig, welche mit der von der Statistik sonst überall nachgewiesenen Gleichmäßigkeit und Regelmäßigkeit der Geburtenfrequenz in Widerspruch stehen. Gegensätze, wie die in der obigen Tabelle verzeichneten, wonach auf 1000 Griech.-Kath. im Jahre 1891 43,S0, im Jahre 1901 aber nur 25,76 Geburten vorkamen, oder wie bei den Juden, bei denen die Geburtenhäufigkeit von 1898 bis 1901 von 40,09 auf 30,85% zurückging, erwecken starke Bedenken, ob diese Angaben den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen und nicht vielmehr durch die Unvollständigkeit der Geburtsregister zu erklären sind. Diese Bedenken werden wesentlich verstärkt durch die weiteren Angaben über das Geschlechtsverhältnis der Geborenen. Es wurden nämlich in den drei Jahren 1899—1901 als lebendgeboren registriert: Knaben Mädchen bei den Juden......! 12 798 j 9 860 „ „ Christen . . . . j 22 792 | 25 349 sodaß auf 100$ Mädchengeburten bei den Juden 129,8, bei den Christen 89,91 Knabengeburten entfallen. Der außerordentlich hohe Prozentsatz der Knabengeburten bei den Juden, der in keinem anderen Lande ein Analogon hat, ist mit größter Wahrscheinlichkeit darauf zurückzuführen, daß die Anmeldung von Mädchengeburten bei den Juden nicht regelmäßig erfolgt. Das läßt sich auch daraus folgern, daß in anderen Jahren, wto der Anmeldezwang wahrscheinlich schärfer durchgeführt wurde, das Verhältnis der jüdischen Knabengeburten zu den Mädchengeburten ein ganz anderes war, sodaß z. B. im Jahre 1884 sogar mehr Mädchen- (1945) als Knabengeburten (1940) angemeldet wurden, ebenso im Jahre 1889 (4359 Mädchen gegen 4036 Knaben) und 1892 (4318 gegen 4061). Erst seit dem Jahre 1893 beginnt sieh der große Knabenübersehiiß einzustellen. Nach alledem darf die Warschauer Geburtsstatistik nur mit Vorsicht gebraucht und keinesfalls zum Beweise für die größere Häufigkeit der Knabengeburten bei den Juden herangezogen werden. Uneheliche Geburten wurden gezählt im Jahre 1901 bei den Juden 168- 2,14 % all. Geburt, bei Juden b. d. iibr.Bevölk.2629 - 14,33 „ „ „bei der [nichtjüd. Bevölk. Uneheliche Geburten sind hiernach wie in allen anderen Ländern auch bei den Juden in Warschau weit seltener als bei den Christen,

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