Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Der Anteil der jüdischen Frauen am Erwerbsleben in Deutschland
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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— 5 — zweitens die größere oder geringere Geltung der Anschauung, daß eine berufliche Tätigkeit einer Frau oder eines Mädchens seiner gesellschaftlichen Stellung Abbruch tut, — eine Anschauung, auf die wir teilweise die geringe Berufstätigkeit der jüdischen Frauen in den an sich industriereichen Provinzen Sachsen und Hannover zurückführen möchten; drittens die größere oder geringere Wohlhabenheit der Juden eines Gebietsteiles, welche die berufliche Mitarbeit der weiblichen Familienmitglieder in höherem oder geringerem Grade erheischt. Der überaus geringe Prozentsatz der berufstätigen Frauen in der Provinz Brandenburg im Gegensatz zu dem sehr hohen Prozentsatze in Berlin ist z. B höchstwahrscheinlich in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die durchschnittliche Wohlhabenheit der Juden in den Berliner Vor- und Nachbarorten, die den allergrößten Teil der in der Provinz Brandenburg gezählten Juden ausmachen, erheblich größer ist als in Berlin. Eheschließungen zwischen luden und Christen in Ungarn. Von Lavoslav Schick, Budapest. Am 1. Oktober 1895 traten in Ungarn die neuen Ehegesetze in Wirkung, nach welchen das Eingehen von Ehen zwischen Juden und Christen gestattet ist, während es bis zu diesem Zeitpunkte nur möglich war, wenn der eine Verlobte zur Konfession des anderen Verlobten übertrat. Während von christlicher Seite vielfach befürchtet wurde, daß durch die große Zahl christlich-jüdischer Mischehen eine vollständig Verjudung Ungarns bevorstehe, gab es andererseits eine Anzahl Leute, welche hierdurch eine vollständige Amalgamierung und Auflösung des Judentums erhofften. In Wirklichkeit ist aber keines von beiden eingetreten, denn die Zahl der Juden- Christenehen ist durchaus nicht groß, wie wir aus Tabelle I ersehen. Tabelle I. Es wurden Ehen geschlossen: 1891 92 93 j 94 95 96 97 98 99 19001 Ol 02 i zwischen jüd. Mann u. jüd. Frau „ nichtjüd. Mann u. jüd. Frau jüd. Mann u. nichtjüd. Frau 5483 5789 5912 6052 i 8497 156 109 6475 253 272 674917022 169 171 182 168 1 6726 6693 191 201 187! 210 1 6912 6729 187! 242 196: 239 Es heirateten einen nichtjüdischen Ehegatten: 1895 | 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 von je 100 heiratenden jüd. Männern von je 100 „ „ Frauen 2,38 3,91 1,68! 4,19 2,50 2,69 2,43 2,38 2,84 3,00 2,78! 3,13 2,70 2,83 3,59 3,55 Im letzten Quartale des Jahres 1895 und im Jahre 1896 ist die Zahl der zwischen Christen und Juden abgeschlossenen Ehen etwas größer und zwar aus leicht erklärlichen Gründen. Zahlreiche Paare, die auf die neuen Gesetze, oft schon Jahre lang, gewartet hatten, konnten nun endlich zur Eheschließung schreiten, und außerdem wurden vielfach bereits bestehende Verbindungen mit den gesetzlichen Bestimmungen in Einklang gebracht, was bisher durch das nichtchristliche Bekenntnis des einen Teils unmöglich war. Sehen wir von diesen zwei Jahren ab, so finden wir eine teilweise, jedoch nicht gleichmäßige unbedeutende Steigerung dieser Mischehen, sowohl in den absoluten als auch in den relativen Zahlen. Summieren wir die Zahlen, so zeigt sich, daß in diesen acht Jahren 3133 Juden sich mit Christen oder Konfessionslosen verheiratet haben, während überhaupt 107 727 Juden in diesem Zeitraum eine Ehe geschlossen haben. Von 100 Juden schlössen 2,99 eine Ehe mit Andersgläubigen, welcher Prozentsatz entschieden nicht besonders hoch ist, denn der Prozentsatz der Mischehen überhaupt im ganzen Lande war in diesem Zeitraum 12,20, also mehr als viermal so hoch wie bei den Juden. Diese Zahl der