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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 16

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
1 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Die Judenkolonieen in Indien
Date
1905-02-01
Page
Seite 16 (sequence 2)
Language
German
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— 16 - auffallend hell, sodaß ihr Teint neben der starken Pigmentierung der dunklen Eingebornen Südindiens doppelt stark, fast -wie krankhaft; absticht. Bart und Haar sind meistens schwarz, aber es kommen auch Fälle von blondem Haar, verbunden mit ganz hellbrauner, grauer oder blauer Iris vor. Haar und Bart sind bei den Männern reichlich entwickelt, leicht gekräuselt oder lockig. Meist ist die spezifische Physiognomie der Juden sehr entschieden ausgeprägt. Im allgemeinen kann man, wie auch bei den europäischen Juden, einen plumpen und einen feinen Typus unterscheiden, den ersteren mit stärkerer Fettentwickelung, breitem Gesicht, dicker Nase, fleischigen Lippen, droßen dicken Ohren; der andere Typus neigt mehr zur Magerkeit, das Gesicht ist von der steil aufsteigenden, gut gebildeten Stirn bis herab zum Kinn schmaler, die Nase tritt scharf geschnitten, hoch hervor und zeigt meist die eigentümliche semitische Krümmung des Nasenrückens, sowie die besondere Bildung der Nasenflügel, die Lippen sind schmal und fein geschnitten, der ganze Ausdruck erscheint beweglicher, geistiger, intelligenter. Die schwarzen Juden in Cochin stellen unzweifelhaft ein Rassengemisch dar. Zwischen den Extremen des hellen europäischen Juden und des ganz dunklen Drawida sind alle Farben und Übergangsformen unter ihnen vertreten. Bisweilen erscheint bei einer Hautfärbung, die um keine Nuance dunkler schattiert ist als die eines Südeuropäers, die spezifische Judenphysiognomie so überraschend ausgeprägt, daß man an unvermischtes jüdisches Blut glauben würde, wenn nicht die mißachtende Behandlung seitens der weißen Juden und die die'sen gegenüber gezeigte Unterwürfigkeit anzeigten, daß der Betreffende der Gruppe der schwarzen Juden angehört. Umgekehrt kann man wieder andere Mitglieder dieser Gruppe in ihrer körperlichen Erscheinung durchaus nicht von hinduischen Malabarleuten unterscheiden. In der Mehrzahl der Fälle aber hat eine Mischung und Durchdringung der j beiderseitigen Merkmale stattgefunden. Die weißen Juden in Cochin haben — Schmidt meint, wegen des Fehlens von Verfolgung und Bedrückung — keinen ausgeprägten Erwerbsinstinkt. Sie leben ein bescheidenes, phlegmatisches, schlaffes Dasein: viele sind Grundbesitzer und leben vom Pachtzins, seltener von eigener Bewirtschaftung. Im allgemeinen ist ihr Wohlstand gegen frühere Zeiten zurückgegangen. Die schwarzen Juden sind Tagelöhner, Buchbinder, Holzfäller, Maurer, Tischler, Kleinkrämer; ihre Frauen geschickte Spitzenklöpplerinnen und Stickerinnen. Die Gesamtzahl aller Juden in Cochin betrug bei der Volkszählung von 1891 1142 Seelen. Die in ihrem Besitze befindlichen kupfernen Privilegientafeln sind von hohem wissenschaftlichen Interesse, da sie in der ältesten Form des südindischen Alphabets geschrieben sind und wahrscheinlich aus dem Jahre 774 n. Chr. stammen Ein Faksimile von ihnen nebst Uebersetzung und Kommentar ist in den oben erwähnten beiden Aufsätzen von Burnell gegeben. Die andere Judenkolonie, die der Beni Israel in Kolaba in der Präsidentschaft Bombay, ist zahlreicher als die in Cochin. Die Hautfarbe der Beni Israel ist dunkler als die der europäischen Juden, aber heiler als die der eingeborenen Inder. Sie führen in der Regel zwei Namen, einen aus der Bibel entnommenen, und einen zweiten aus dem Gebrauche de? Hindus entlehnten. Sie sind anscheinend aus Südarabien (Yemen) nach Indien eingewandert (vielleicht schon im 6. Jahrhundert n. Chr.) und haben noch jetzt mit den Juden in Yemen eine sehr große Aehnlichkeit. Ihrem Berufe nach sind die Beni Israel meist Handwerker, insbesondere Maurer und Zimmermeister, seltener Händler. Viele von ihnen sind auch in den Oelfabriken tätig oder sind Soldaten in den Eingeborenen-Regimentern der Präsidentschaft Bombay. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war ihr Monotheismus noch stark mit heidnischen Vorstellungen durchsetzt und sie besaßen so gut wie garnichts von der altjüdischen Litteratur. Durch Berührung mit Juden aus Arabien haben sich aber ihre Gottesvorstellungen geläutert; sie haben die wichtigsten Schriften der jüdischen Litteratur erhalten und ihren Gottesdienst nach sephardischem Ritus eingerichtet. Mitteilungen. Generalversammlung d. Verbandes für Statistik 1 Juden. Am 12. Februar 1905 fand die General- Versammlung desVerbandes für Statistik der Juden statt, die vom Vorsitzenden des Verbandes, Dr. Alfred Nossig, geleitet wurde. Eröffnet wurde sie durch Verlesung eines Keferates von Dr. Arthur Cohen „Statistik und Judenfrage". Der vom Vorsitzenden erstattete Bericht über die Tätigkeit des Kuratoriums und des Vorstandes für das Jahr 1904 schilderte in kurzen Zügen die auf Grund der Beschlüsse der vorjährigen Generalversammlung erfolgte Bildung des Kuratoriums und die Gründung eines Bureaus für Statistik der Juden. Das Kuratorium hat einen Arbeitsausschuß eingesetzt, welchem die beiden Vorsitzenden des Kuratoriums San.- i Bat W. Maretzki und Geh.-Rat Dr. Blumenthal, der Schatzmeister Hr. B. Braun und der Vorsitzende des Verbandes Dr. Nossig angehörten. Das Bureau für Statistik der Juden wird neben der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" monographische statistische Arbeiten und im Auftrage des D. J.Gemeindebundes ein „Stati stisches Jahrbuch der deutschen Juden" herausgeben. Unter den organisatorischen Tätigkeiten des Verbandes ist die Bildung von Kommissionen für Statistik der Juden in Wien und Budapest hervorzuheben. Nach einer Diskussion über die vom Bureau für Statistik der Juden für die nächste Zeit geplanten Arbeiten wurde der bisherige Vorstand des Verbandes durch Akklamation wiedergewählt. Redaktion: Dr. Arthur Ruppin. — Herausgegeben Tom Bureau für Statistik der Juden. — Druck yon R. Boll, Berlin.

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