Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Die Umgangssprache der Juden in Oesterreich
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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14 - Tabelle I. Es haben als ihre Umgangssprache angegeben: Juden Christen in absoluten Zahlen in % aller Juden in % aller Christen Deutsch..... 419210 34,2 35,1 Böhmisch, Mährisch, Slovakisch . . . 57 782 4.7 23,6 Polnisch .... 622 235 50,8 14,5 Rutheniseh. : . . 40 966 3,4 13,4 Slovenisch .... * 25 0,0 4,8 Serbokroatisch . . 63 0,0 2,8 Italienisch .... 2 940 0,3 2,9 Rumänisch .... 263 0,0 0,9 Magyarisch . . . 165 0,0 0,0 andere und staatsfremde Sprachen 81 062 6,6 2,0 Summa . . 1 224 711 100,0 100,0 Grund hat, daß zwei Drittel aller Österreich. Juden in Galizien wohnen, wo das Polnische die am meisten gesprochene Sprache ist. Nimmt man die Kronländer einzeln, so ergibt sich in ihnen sämtlich eine Bevorzugung des Deutschen bei den Juden. So sprechen, wie die Tabelle II ausweist, Deutsch als Es sprachen als Umgangssprache: Tabelle IL a) in absoluten Zahlen. Umgangssprache in Galizien 17,1 °/0 aller Juden, aber nur 1,1 % aller Christen, in der Bukowina 95,5% a^er Juden, aber nur 10,6% aller Christen, in Böhmen 43,7 °/o der Juden und 36,9 % der Christen, in Mähren 77,4 % der Juden und 26,8 % der Christen, in Schlesien 80,7 % der Juden und 43 % der Christen. Daß in Niederösterreich das Verhältnis umgekehrt ist und hier die Christen in größerem Prozentsatze Deutsch sprechen als die Juden, hat seinen Grund wahrscheinlich darin, daß Wien in den letzten Jahrzehnten das Ziel einer großen Zahl Polnisch sprechender jüdischer Einwanderer aus Galizien gewesen ist. Die Bevorzugung der deutschen Sprache bei den Juden dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die Juden in Oesterreich zum allergrößten Teil ihren Ursprung auf die im ehemaligen Königreich Polen wohnenden Juden zurückführen und daß bei diesen das Deutsche bezw. das sogenannte Jüdisch-Deutsche die Umgangssprache wrar. Neben der Bevorzugung des Deutschen geht aus der Tabelle noch eine sehr geringe Neigung der Juden zur Aneignung der Sprachen der anderen österreichischen Nationalitäten hervor. Insbesondere ist die geringe Zahl der ruthenisch sprechenden Juden, trotzdem die Juden in Ostgalizien, dem Zentrum der Ruthenen, sehr zahlreich sind, bemerkenswert. in Deutsch Polnisch Rüthenisch Slovenisch Böhmisch, Mährisch Slovakisch andere u. staatsfrerade Sprachen') Christen j Juden Christen Juden Christen j Juden Christen j Juden Christen Juden Christen j Juden der Stadt Wien Niederösterreich (ausschl.Wien) Böhmen . . . Mähren . . . Galizien . . . Schlesien . . Bukowina . . d. ander. Kronländern . . . 1290829 95286 1322024 5784 2296492 40521 641231; 34261 74027:138400 286890! 9681 67579; 91907 2773332! 3370 3360997 219444 26686 621036 1028 171 i 3039968: 40475 297307 491 1188281 25 102349 29972 3880013 1720478 146002 625 22 50080 6792 263 131853 63188 49447 31742 29764 16098 242473 1594531 51015 4546 2144 3202 11272 1016 3581 7717 in ganz Oesterr. 8752404:419210 3607127 622235 3337275| 40966 11SS281; 25 5878814 57782 2162096! 84493 b) unter je 1000 Personen gleicher Konfession. in Deutsch Polnisch Ruthenisch Slovenisch Böhmisch, Mähr'sch Slovakisch andere u. Staats - fremde Sprashen Christen 1 Juden Christen \ Juden Christen Juden Christen i Juden Christen Juden Christen Juden der Stadt Wien Niederösterreich (ausschl.Wien) Böhmen . . Mähren . . . Galizien . . . Schlesien . . Bukowina . . d. ander. Kronländern . . . 845 649 933 \ 559 369 1 437 268 1 774 11! 171 430 I 807 106 i 955 499 303 1 516! 766 328! 86 42 I 2 468 469 50 5 215 2 67 22 624 719 218 4 2 510 153 22 88 45 7 13 5 24 383 286 347 439 23 73 13 85 38 695 in ganz Oesterr. 351 1 342 145 j 508 131 34 48 0,0 236 47 86 69 *) Anmerkung. Unter den staatsfremden Sprachen sind nicht nur die außerösterreichischen Sprachen verstanden, sondern auch für jedes Kronland alle diejenigen, "welche in demselben nicht als Landessprachen anerkannt sind. So gelten z. B. Böhmisch und Slovenisch in Galizien als staatsfremde Sprachen.