Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 1 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Ergebnisse der Volkszählung von 1900
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187624-3187627-3187996--0074-3188028- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 13 — Dem Alter nach waren bei d. Juden jl bei d. Gesaintbevölk. unter 15 Jahre alt 38,99 % 41,93 0 „ 15-60 Jahre alt 56,45% 53,69 V über 60 Jahre alt 4,56 % 4,38 %. Die Juden haben hiernach — ebenso -wie in den mittel- und westeuropäischen Ländern — weniger Kinder, aber mehr erwachsene und alte Personen unter sich als die übrige Bevölkerung. — Lesen und schreiben konnten 57,01 °/0 aller Juden, aber nur 47,46% der serbischen Stadtbevölkerung und nur 16.98 °/o der serbischen Gesamtbevölkerung. — Zur griechisch-orthodoxen Kirche sind in den 10 Jahren 1892—1901 insgesamt 40 Juden übergetreten. Die Juden der Oase Mzab. jl Algier; Die Oase Mzab liegt im Süden - Algiers am Rande der Sahara und wird von einem Berberstamm bewohnt, der etwa 30 000 Köpfe zählt und die französische Oberhoheit anerkennt. Die Hauptstadt ist Ghardaia mit etwa 11000 Einwohnern, unter denen sich 841 Juden (nach der Volkszählung von 1896) befinden. Ausserdem wohnen noch 34 Juden in der Stadt Guerrara. Der französische Anthropologe M. Huguet hat in den Jahren 1897—1899 die Eingeborenen und Juden der Oase in ihren Lebensverhältnissen studiert und in der Pariser Anthropol. Gesellschaft über die Juden berichtet. (Les Juifs du Mzab. Bulletins et Mämoires de la Sociöte d'Anthropologie de Paris. V. Serie, Tome III. Paris 1902.) Nach der Tradition sind die Juden im 14. Jahrhundert in die Oase eingewandert. Sie kleiden sich wie die eingeborenen Mzabiten, unterscheiden sich von ihnen aber durch die langen Schläfenlocken. Sie wohnen in einigen besonderen Strassen in nicht sehr reinliehen Häusern. Ihre Frauen sind schön und in gewissem Sinne graziös, die Männer haben einen weniger angenehmen Gesichtstypus. Von den Kindern sind viele krank und hinfällig. Das ist eine Folge der frühzeitigen Heiraten. Es ist häufig, daß die Kinder schon im Alter von 4 bis 5 Jahren von den Eltern verlobt wTerden, um einander im Alter von 13—14 Jahren zu heiraten. Die Geburten sind sehr zahlreich (oft hat eine Mutter 15 bis 25 Kinder geboren), aber die Kindersterblichkeit isf ausserordentlich groß; in manchen Familien bleibt nur ein Drittel oder ein Viertel aller geborenen Kinder am Leben. Die Mütter gebären sehr leicht. Die Geburt erfolgt nicht im Hause des Mannes, sondern im Hanse der Eltern der Frau. Man gräbt als Vorbereitung für die Niederkunft in einer Ecke der Stube ein ziemlich grosses Loch, füllt es mit warmer Asche, bedeckt diese mit Leinwand und läßt die Mutter sich darauf setzen. Sobald die Asche sich abgekühlt hat, wird sie erneuert. Die Mutter wird durch die Geburt selten länger als eine Woche von ihrer regelmäßigen Beschäftigung abgehalten. Sie nährt ihre Kinder bis zum Alter von 2 bis 2*/2 Jahren selbst. Hat sie Zwillinge verschiedenen Geschlechts geboren, so nährt sie nur den Knaben, das Mädchen wird mit Ziegenmilch großgezogen. Im Alter von 3 Jahren wird das Kind durch eine besondere Ceremonie (El Kestab) in die Religion eingeführt und heißt dann „ouzir". Im Alter von 4 Jahren ist es schon in die Religion eingeführt und heißt dann „soltan". Im Alter yon 13 Jahren wird der Knabe „Bar-mizwah" und gilt dann als Heiratskandidat. Interessant sind die Hochzeitsgebräuche. Vor der Hochzeit muß die Braut in dem rituellen Tauchbad (Mikweh, genannt makoui) baden, was für Reinlichkeit liebende Frauen wegen der seltenen, angeblich nur alle 6 Monate erfolgenden Erneuerurig so unangenehm ist, daß eine von auswärts; nach Gharda'ia heiratende Jüdin erklärt haben soll, lieber auf die Heirat zn verzichten, als das rituelle Bad zu nehmen. Am Hochzeitstage wird der Kopf der Braut mit einem Tuch umwickelt, in dessen Falten Kerzen gesteckt und angezündet werden. Dann wird die Braut barfuß (Schuhe dürfen Mädchen vor der Heirat nicht tragen) von ihren Bekannten auf einem Mufion-Fell in die Wohnung des Bräutigams gebracht. Der Bräutigam muß ihr sofort, während die Hochzeitsgäste schmausen, beiwohnen, worauf von der Mutter des Bräutigams und anderen Frauen die Jungfernprobe in der bekannten, bei vielen Völkern vorkommenden Weise (durch das blutige Brauthemd) vorgenommen wird. Ergiebt die Probe nicht die Jungfräulichkeit der Braut, so Ist dies Scheidungsgrund. Gewöhnlich setzt der Bräutigam seiner Braut eine Mitgift von 25—500 Fr es aui, welche die Frau beim Tode des Mannes aus dem Nachlasse beanspruchen kann. Im übrigen erhält sie aus dem Nachlasse nichts. Die Stellung der Frau ist niedrig, sie kann im Gegensatz zu den Männern, die sich mit großem Eifer Wissen aneignen, selten lesen und schreiben. Ehescheidung ist sehr leicht und häufig; viele Männer haben die zweite oder dritte Frau, manche sogar die fünfte oder sechste. 10 jährige Unfruchtbarkeit ist nach altjüdischem Rechte Scheidungsgrund. Nach dem Tode ihres Mannes darf sich die Frau erst dann wieder verheiraten, wenn fest steht, daß sie von dem Verstorbenen nicht schwanger ist. Ist sie schwanger, so darf sie sich erst nach der Geburt und Entwöhnung des Kindes wieder verheiraten. Die Religionsritualien sind dieselben wie sonst bei den Juden, doch ist Glaube an Zauberei und Furcht vor dem bösen Blick weit verbreitet. Das Wochenfest wird nicht zwei, sondern drei Tage lang gefeiert; der dritte Tag zum Andenken sder Einnahme von Ghardaia durch die Juden". >i Tj Die Umgangssprache der jj Oesterreich jj Juden in Oesterreich. Nach!! - - den bei der Volkszählung vom 31. 12. 1900 ermittelten und in Band 63 Heft 3 der österreichischen Statistik veröffentlichten Daten läßt sich über die Sprachverhältnisse der Juden in Oesterreich die nachfolgende Tabelle I aufstellen. Während hiernach, wenn man ganz Oesterreich betrachtet, die Juden Polnisch in weit höherem Prozentsatze sprechen als die Christen, alle anderen Sprachen dagegen in geringerem Prozentsatze, ändert sich das Bild ganz wesentlich, wenn man die Österreich. Kronländer einzeln durchgeht. Es zeigt sich nämlich dann, daß der überwiegende Gebrauch des Polnischen bei den Juden darin seinen