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Der jüdische Wille · 1936-03-01 · Heft 3 (März 1936) · page 24

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 3 (März 1936)
Date
1936-03-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Jean Lachmann Am 25. Februar starb unser Bundesbruder Jean Lachmann. Ich kannte ihn seft meiner Jugend, er gehörte dem Freundeskreise Isaak Zwirns an, der damals aus Lissa kam und mehrere Generationen hintereinander die Lissaer studierende Jugend nach Berlin zog und dem Zionismus zuführte. Jean Lachmann schloß sich nicht unseren Verbindungen an ~ ein seltener Fall —, sondern erst als reiferen Wann konnten Wir ihn uns gewinnen. Unsere Ruderverbindung hatte es ihm angetan, seine Verdienste um sie wird man nicht vergessen. In meinen Studentenjahren fiel mir als auffallendster Zug an Jean Lachmann die stille Zurückhaltung seines Wesens auf. Gewiß lag ihm das laute Studententreiben nicht und so kam es, daß er damals noch nicht unser wurde. Dabei war er immer ein glühender Jude und Zionist, seine Opferbereitschaft für die Sache war bekannt. Die wahre Bewertung eines Menschen, ob er nun im großen Leben eine Rolfe spielt oder nicht, geschieht nicht nach dem, was an ihm sichtbar, sondern nach dem, was an ihm unsichtbar ist. Damit meine ich und daher kommt es auch, daß man über den wahren Menschen gewöhnlich nicht Bescheid weiß. Das Sichtbare täuscht so oft und das Laute deckt das Leise und Wahre zu. Es hervorzuholen, bemühen wir uns gewöhnlich erst nach dem Tode des Betreffenden. In Jean Lachmann war ein Edelmann verborgen. Takt, Zartgefühl, Selbstlosigkeit und eine Bereitschaft, die kein Aufhebens von sich machte, waren die klarsten Züge seines aristokratischen Wesens. Im Kreise seiner Familie, und nicht nur der nächsten, war er der Hort, an den alle sich hielten. Wenn irgendwo, irgendwer oder irgendwas fehlte, war er da. Er wollte keine Rolle spielen und spielte sie doch für die, die es sahen, auf großartige Weise. Er spielte sie bis in sein Leiden und Sterben hinein. Acht Monate lang ist er gestorben und bis in die letzten Tage hinein erwies sich an kleinen und kleinsten Zügen die Tiefe und Güte seines Charakters. Auch bei der geringsten Zureichung vergaß er es nie zu danken, und beinahe in der letzten Stunde noch fragte er die pflegende Schwester, als sie das Fenster öffnete: »Werden Sie sich auch nicht erkälten, Schwester?«-- So sah der Mann aus, den wir hier beklagen. Nur wenige kannten ihn wirklich, wie er war, aber es genügt, um zu sagen: Ein edler Mensch, ein glühender Jude ging von uns. Wir werden ihn nicht vergessen. Emil Bernhard Cohn Wir beklagen den Tod folgender Bundesbrüder Max Kamerling, Bukarest R.-A. Jean Lachmann, Berlin Dr. Walter Stein, Jerusalem (früher Königsberg i. Pr.) Fritz Trum, New York Wir werden allen ein ehrenvolles dauerndes Andenken bewahren. Präsidium des K.J.V.

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