Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 4 (1936)
- Issue
- Heft 3 (März 1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DER JODISCHE WILLE ZEITSCHRIFT DES KARTELLS JÜDISCHER VERBINDUNGEN Die im J.W. abgedruckten Beiträge sind, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes gesagt* ist, als persönliche Meinungsäußerung des Verfassers anzusehen. Der »Jüdische Wille« ist nur für Mitglieder des K. J.V. bestimmt. Weitergabe an Nichtmitglieder nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Präsidiums gestattet. 4. Jahrgang März 1936 Heft 3 Jüdisches Schaffen heute Zur Kulturdebatte des Delegiertentages Von Bbr. Manfred S türm an n- München. L Nicht erst auf dem 25. Delegiertentag, sondern schon auf der Arbeitstagung im Mai 1935 trat klar in Erscheinung, daß die ZVfD auf dem Gebiet jüdischer Kulturarbeit in Deutschland noch vor großen Aufgaben steht. Ihre Aufgaben auf sozialem und politischem Gebiet waren 1933 nach der Umordnung so drängend, daß die fundamentale Erneuerung unseres jüdischen kulturellen Lebens naturgemäß zunächst in den Hintergrund treten mußte. Jetzt aber ist es an der Zeit, hier planvoll Wandel zu schaffen. Tschertok hat in seinem Referat auf dem 25. Delegiertentag die Situation und die Schwierigkeiten auf diesem Gebiet genau umrissen. Dadurch, daß die deutsche Judenheit vor 1933 kein eigenes kulturelles Leben besaß, dadurch, daß die letzten Reste wirklich jüdischen Wissens und jüdischer Tradition durch die erschreckend vorgeschrittene innere Assimilierung nahezu zerstört waren, zeitigten die Ereignisse von 1933 eine deprimierende Hilflosigkeit. Es war sozusagen ein luftleerer Raum im Geistigen entstanden: die Beteiligung der Juden am nichtjüdischen Kulturleben in Deutschland war jäh unterbrochen, jüdisches Leben und seine inneren Voraussetzungen fehlten. Wie konnte eine jüdische Kunst, wie eine kulturelle Resonanz entstehen, da jede Ebene für eine Betätigung fehlte und es keine Quelle gab, aus der die Kraft jüdischen Schaffens zu fließen vermochte! Nur so ist es zu erklären, daß die Kulturbünde jüdischen Künstlern zwar eine Betätigungsmöglichkeit boten, aber doch keine jüdische Kulturarbeit zu leisten imstande waren. Die Programme der Kulturbünde werden deshalb als so unbefriedigend empfunden, weil es kaum zeitnahe jüdische Kulturwerte gibt, weil weder auf musikalischem, noch auf literarischem Gebiet ausreichendes Material zur Verfügung steht, weil man entweder auf alte Stoffe zurückgreifen muß, die zu gestalten es jüdischen Künstlern in Deutschland aus den genannten Gründen an inneren Voraussetzungen fehlt, 65