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Der jüdische Wille · 1936-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1936) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
4 (1936)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1936)
Date
1936-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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geblasen werden wird. Gerade wenn man empfindet; wie sehr wir einer solchen Erlösung bedürfen, wenn man sieht, wie vieles verloren oder gefährdet ist, was zionistische Sehnsucht erhofft hatte, muß man vorsichtig damit sein« aus diesen Dingen „Programmpunkte" zu machen. Wir sehen zwar, wie sich in unserem Aufbauwerk drüben „Knochen mit Knochen, Gebein mit Gebein" verbindet, wie aber noch der Geist, der das Ganze belebt, fehlt. Wir sehen auch bei den jüdischen Menschen hier eine innere Bereitschaft für das einfache Neue. Wenn Menschen nicht nur aus unserem Kreise, sondern aus allen jüdischen Lagern in ihrer äußeren und inneren Not zu einem kommen, so fühlt man oft, wie eine Art von vormessianischer Stimmung in Teilen der Judenheit herrscht. Aber es handelt sich da um etwas Großes und Heiliges, etwas, worauf man nur warten, wofür man nur bereit sein kann; nichts, woraus sich Programmpunkte und Appelle machen lassen. Theodor Herzl hat in seinen Lebenserinnerungen die Frage aufgeworfen, worauf sein zionistischer Erfolg beruhe« Er sagte, er glaube darauf, daß er, der in seinem Leben und in seinem beruflichen Wirken so vieles falsch gemacht habe, als Zionist „in dieser Sache ganz selbstlos und ganz aus reinen Motiven gehandelt habe". Dieser Ausspruch Herzls soll uns eine Richtlinie für die weitere Arbeit des KJV geben. Benno Cohn: „Die zionistische Arbeit in Deutschland/' Ich habe hier nicht über die zionistische Gesamtsituation, sondern nur über mein Spezialgebiet „aus der zionistischen Arbeit im deutschen Judentum" zu referieren. Der Rechenschaftsbericht gehört zwar vor den bevorstehenden Delegiertentag, aber KJVer sollen ihren Kartelltag auch als einen legitimen Ort auffassen, an welchem sie über ihre Arbeit berichten. Die Zionistische Organisation hat seit 1933 in entscheidenden Dingen ein anderes Gesicht als vorher. Die Funktion des Zionismus im deutschen Judentum ist dieselbe geblieben. Der Zionismus sollte der große Erzieher der Judenheit zum Volke, ihr Führer sein, der eine neue Epoche der jüdischen Geschichte herbeiführen sollte. Diese Dinge haben sich aber entscheidend seit 1933 geändert. Die Juden in Deutschland lebten vor 1933 nur zum kleinen Teil im jüdischen Bezirk; zum großen Teile standen sie innerhalb des deutschen Lebens« Es gab damals schon Diskussionen von zionistischer Seite über Grenzziehung und Grenzüberschreitung. Man denke an die Kunstwartdiskussion von 1913 oder zuletzt die große Blumenfeld-Rede auf dem Frankfurter Delegiertentag. Aber diese Debatten bleiben theoretisch und die Mahnung des Zionismus ist ungehört verhallt. Seit 1933 beginnt die zwangsläufige Rückkehr der deutschen Juden in ihre eigenen Bezirke. Im Herbst 1935 hat dieser Prozeß seinen Abschluß erreicht. Wir haben die jüdischen Schulen, den eigenen Kulturbetrieb, eine geschlossene jüdische Gesellschaft, haben die Reichsvertretung als Spitzenorganisation, die Zusammenfassung zahlreicher Arbeitsgebiete, wir haben die streng rassische Scheidung zwischen Juden und Nichtjuden. Diese Entwicklung hat sich zwangsläufig vollzogen. Es war keine freiwillige Rückkehr zum Judentum, wie wir Zionisten sie wollten und forderten. Ich brauche nicht erst zu sagen, daß alle großen historischen Bewegungen von tieferer Wirkung auch eines Anstoßes von außen bedurften, wie ja das geschichtliche Handeln sich zwischen Freiheit und Notwendigkeit abspielt. Das gilt auch für die zionistische Bewegung selbst. Wir stehen so mitten in einem riesigen Verwandlungsprozeß des deutschen Judentums, das widerwillig und zögernd im Begriff ist, Bestandteil des jüdischen Volkes zu werden. Dieser Vorgang im jüdischen Volke geht nicht reibungslos vor sich. Wir stehen mitten in ihm, machen zwei Schritte 15

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