Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- Editorial
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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und jüdischem Streben, nach einem Semester voller Freude in jeder Beziehung, — noch im Höhepunkte des Semesters kam der Krieg und alles stob auseinander. Bis in das Jahr 1915 hinein war kein Mitglied des Ruder V. J. ST. zur Verfügung. Dann kamen einige Ruder-V. J. ST.er wieder aus dem Felde zurück, insbesondere Erich Herzberg, und nahmen, so weit möglich, die Arbeit wieder auf. Infolge der Verselbständigung hatte man sich Anfang 1914 von dem Jüdischen Ruderclub Ivria getrennt. Seit der Fusion der Kartelle bestand eine besondere Bindung, weil der Ivria aus der Zeit vor der Fusion eine Anzahl K.Z.Ver angehörten, die dann in den Ruder-V. J. ST. übergingen. Beide Vereine legten ihre Betriebe zusammen. Für junge Ruderer wurde eine Jugendabteilung gegründet, aus der sich nachher der Nachwuchs des Ruder-V. J. ST. rekrutierte. Vor allen Dingen gab der Ruder- V. J. ST. damals und bis nach Kriegsende, in einer Zeit, in der infolge des Krieges, der dadurch geschaffenen Umstände, des Mangels an Geld und Leuten, des teilweisen Versagens des Präsidiums, des Ausbleibens einer Zeitschrift, ein Kartell sozusagen gar nicht bestand und jedes Bindeglied fehlte, vielen Bundesbrüdern eine Heimat, weit über den eigenen Kreis hinaus. Das Bootshaus mit seinem Garten bot den zurückkehrenden Bundesbrüdern und den Urlaubern Erholung und Freude, und die regelmäßigen Rundschreiben des Ruder-V. J. ST. an die Bundesbrüder im Felde, die allmählich an mehrere hundert Bundesbrüder versandt wurden, stellten den Konnex zu diesem ganzen Kreise von Bundesbrüdern her, waren Vorbild für andere Verbindungen, verhinderten das Auseinanderflattern des Kartells und gaben nach Rückkehr der Bundesbrüder den Übergang zur alsbaldigen Aufnahme der Arbeit. Die glückliche Verbindung zionistischer und sportlicher Erziehung, die Auswahl bester und zweckmäßigster Grundsätze aus der Erziehung der deutschen Akademikerschaft unter Fortlassung des unzweckmäßig, überflüssig und wesensfremd Erscheinenden, die Verknüpfung all dieser Momente miteinander, brachte einen Stamm von Bundesbrüdern zur Entwicklung, der dem Kartell jederzeit die nötigen Mitarbeiter, Führer und Unterführer stellte und ihm im Sturme der Entwicklungszeit, oft zusammen mit ähnlichen Gruppen wie z.B. mit dem V.J. ST. Königsberg einen festen Rückhalt gab. An diesem Stamm bewußter und pflichteifriger Mitarbeiter scheiterten die Angriffe aller Bewegungen, welche die zionistischen Ziele des Kartells zu verwischen suchten. Der Ruder-V. J. ST. hielt an den einmal als gut erkannten Methoden fest und ließ sich nicht beirren. Genau so wenig, wie man es vor dem Krieg zuließ, daß der Zionismus durch Äußerlichkeiten des Korporationswesens einerseits oder durch Sportfexerei andererseits zu kurz kam oder gar verschüttet wurde, genau so wenig ließ man das Kartell durch Entwicklungsformen anderer Zeiten beeinträchtigen oder erschüttern. Man widerstand allen Auflösungstendenzen, die vom Sozialismus heranstürmten; man widerstand den Abirrungen, die aus der Wanderbewegung und damit im Zusammenhang aus dem Blau-Weiß kamen, man gab dem Kartell den Rückhalt, um den Versuch einer Fusion mit dem in Zersetzung befindlichen Blau-Weiß, zu dessen Rettung und aus zionistischem Pflichtgefühl, zu machen, und man gab dem Kartell, als der Versuch scheiterte, den Rückhalt, diese Erschütterung zu ertragen. Gegenüber den Verlockungen und dem Drang stets neuer Erscheinungen und stets neuer Entwicklungsformen, die einander ablösten, kannten die Ruder-V. J. Ster. nur die Verwirklichung eines disziplinierten Zionismus, die Einordnung aller anderen Entwicklungen in diese Richtlinie, die Zurückweisung aller Versuche, diese Leitgedanken durch andere Momente verdunkeln zu lassen. Diese Festigkeit in der Verfolgung einmal als richtig erkannter Ziele und in der Beibehaltung einmal als 5