Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 255 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Laut, so wie's jugendart ist. Mit unbesonnener Ehrlich* keit, diesem Vorrecht der Jugend, bekennen sich die Heranwachsenden mutig zu allem Fragwürdigen, um sich, unschuldbewußt, ein Stück Paradies wiederzugewinnen." Barbizon. Zwei Broschüren*) „Der Gedankenkreis der Freien Schulgemeinde" von Dr. Gustav Wyneken (60 Pf.) und die „Beispielspädagogik im Wandervogel" von F W. Fulda (65 Pf.), beide im Verlag von Erich Matthes in Leipzig. Zwei kleine Broschüren, die aus einem Streit Dr. Wynekens. und Fuldas hervorgegangen sind: Wyneken warf dem Wandervogel, vor allem in der Kunstbetrachtung, vor, er suche den leichten Genuß, meide aber das Ernstere, Tiefere. (Vorliebe für Märchen, Volkslieder.) Er erkennt im Wandervogel nur die Befreiung von der Konvention an, fragt aber noch danach, wozu er befreit habe. Fulda glaubt ihm durch sein Werkchen eine Antwort zu geben: er spricht von positiven Errungenschaften des Wandervogels, nämlich der Ergänzung der Schul- und Familienerziehung durch die Wirkung der „Beispiele", die die Führer der Bewegung gegeben haben und noch geben. Und führt einige lächerliche Beispiele solcher „Beispielspädagogik" auf, wie Breuers Epistel wider den Zünftigkeitsteufel, Lißners Ermahnung zum Tagebuchschreiben u. a. Fuldas ganze Arbeit macht den Eindruck einer wahllosen Zusammenhäufung von Beispielen, die er nicht zu einem einheitlichen Ganzen zusammenfügt. Es fehlt die Tiefe und der starke selbstbildende und schaffende Geist, der sie durchdringen müßte. Einzelne böswillige Seitenhiebe auf den „Anfang", auf Wyneken, auf Blüher* und besonderes Herausstreichen von Fischer, Breuer und Lißner sind nur ein Beweis der Oberflächlichkeit und Subjektivität dieser Broschüre. Ganz anders Wynekens kurzgefaßte und doch so unendlich inhaltreiche Darlegung des Gedankenkreises der Freien Schulgemeinde. Er hat seine Arbeit „dem Wandervogel" gewidmet, da er das Gute im Wandervogel, das er jetzt erst entdeckt hat, so sehr schätzt, daß er unbedingt Verständnis und Freundschaft bei uns sucht. Ich persönlich bin gleichermaßen Wandervogel und Anhänger von Wynekens scharfer und rücksichtsloser Geistesrichtung, die von seinen Gegnern als „Intellektualismus" abgetan wird. Und ich rate jedem Wandervogel, als Ergänzung und Erweiterung seines „Wandervogeldaseins", sich mit Wynekens Idee der Freien Schulgemeinde und seiner Verwirklichung* Wickersdorf, zu beschäftigen, nicht nur zum persönlichen Nutzen, sondern auch zu Wandervogels Vorteil. Diese Schrift ist die geeignetste Einführung. Man lese sie, und man wird von dieser elementaren Stärke und reinen Begeisterung ganz in Wynekens Gedankenkreis gebannt sein. Was seine Arbeiten und ebenso seine Schule Wickersdorf so mächtig macht, ist das: er sieht ein festes Ziel vor sich, die Bereiche- *) Abdruck aus „Wandervogels Rundflug. Gaublatt der Wandervögel in Südwestdeutschland." 25S