Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 191 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus einem Brief» Heidelberg 15. Juli 1913. Unser Spreclisaa.'? Nach auf km mag es erscheinen, als versage er vollkommen, wir aber, die wir drinn stehen, wissen, daß dem nicht so ist. Wohl kamen wir die letzten 14 Tage nidtfc zusammen, wohl hatten wir keine „Sitzung", aber zusammenhalten tun wir, es ist etwas in uns, das sich nicht sagen läßti Wir stehen vor der Versetzung, da spannen sich alle Kräfte, da hagelt es mit Arbeiten, ich konnte es deshalb keinem übel nehmen, der mir frank und frei erklärte, er habe zu schaffen, er müsse „strampeln". Wir haben in den wenigen Sprechsaalsitzungen sehr, sehr interessante Erfahrungen gemacht. Einige sehr bedenkliche Naturen meinten altklug, „die Jugend sei viel' zu grün", um über ernste Fragen sich zu unterhalten. Wir luden sie alle ein, wenige teamen und fanden zum größten Erstaunen, daß wir uns unendlich viel zu sagen hatten, waren begeistert, ich hatte nur meine liebe Not zu sorgen, daß sich die Diskussionen nicht ins Endlose verloren. Dies läßt sich am Anfang kaum vermeiden. Wir kannten uns alle so wenig, und wenn wir von dem einen sprachen, konnten wir uns nicht einig werden, — dies soll natürlich! auch nicht der Zweck sein — wir gingen immer von verschiedenen Voraussetzungen aus. Es kostete uns heiße Mühe, bis wir über eine ganz bestimmte Frage sprechen konnten, immer wollten die Feurigsten den Gegner von allem überzeugen, immer schweiften sie bedenklich ab. Noch etwas fanden wir. Nirgends herrscht eine solch freudige Offenheit wie int Spredhsaal, manch? behaupten, dies sei überhaupt das SrJhönste dran, sie gaben zu, daß sie früher aus Dickköpfigkeit und falscher Eitelkeit auf Behauptungen bestehen blieben, deren Unrichtigkeit sie längs* erkannt hatten. So war der Sprechsaal ihnen eine freudige Offenbarung, ein sprechender Beweis gegen unseres Lehrers Behauptung: „Wahr sein ist unmöglich." — Göttingen Hier ist am 2. September ein Spredhsaal eröffnet worden. Coburg EHe Gründung des Spredhsaals mußte unterbleiben. 191