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Der Anfang · 1913-10-01 · Heft 6 (Oktober 1913) · p. Seite 180

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 6 (Oktober 1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 180 (sequence 20)
Language
German
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■Paulsiek (Abteilung für Obersekunda und Prima) und finde nicht ein einziges kleines Gedicht eines lebenden deutschen Dichters. Und schäme (midi, idaß man uns Primanern ein solches Buch in die Hände zu geben wagt, dlas einem so zweifelhaften Lyriker wiq Rikkert sechs Seiten widmet, während Mörike sich mit zwei ablinden muß. Warum will man uns Jungen die Schätze der modernen deutschen Lyrik vorenthalten? Haben wir denn nicht das gleiche Anrecht auf ihren Besitz wie die Mädel? Der Hopf und Paulsiek ist wohl das verbreitetste deutsche Lesebuch an den höheren „Knaben"-Schulen, denn beinahe hundert Anstalten haben ihn eingeführt Er trägt vornehmlich die Schuld, daß die lebenden deutschen Dichter im Unterrichte fast gar nicht erwähnt werden. Ich kann mich höchstens auf ganze fünf Stunden im Deutsch besinnen, in denen man etwas von Liliencron, Dehtnel usw. vernahm. Und da War es natürlich auch nicht der Lehrer, von dem die Anregung ausging, sondern einer meiner Freunde, der bei „freiwilligen Deklamationen", die ach! wie lange schon wieder eingeschlafen sind, Gedächte \ron Nietzsche, Liliencron, Dehmel und Hofmannsthal wählte. Ich vermute, der Herausgeber dieses Bandes vom Hopf und Paulsiek, ein Berliner Professor, hat sich' bei der Auswahl der Gedichte nach Oskar Weißenfels gerichtet, der seinerzeit schrieb: „Es ist alles von der Schule fernzuhalten, dessen Wert immer noch dann und wann von einem leidlich verständigen Menschen angezweifelt wird. Daraus folgt, daß die Hauptwerke der zeitgenössischen Literatur von der Schule aiuszuschließen sind. Ftür die Jugend Ist das, was "die Todesgöttin geweiht hat, vorzuziehen". Darnach handelt der Hopf und Paubiek in der Tat. Bis vor wenigen Jahren waren nicht einmal Mörike, Hebbel, Keller und Meyer mit einer einzigen Strophe vertreten! Aber dafür dürfen sich die Poeten des 17. und 18. Jahrhunderts um so breiter machen. — Doch wie nichts vollkommen jst, so auch das Lesebuch meiner Schwester. Da tiest man z. B. Bürgers „Lenore" in einer Fassung, die eigens für die Mädchenschulen zurechtgestutzt ist Ich bitte Sie, wie kann man Bürgers „Lenore" unseren „höheren Töchtern" in der Originalfassung in die Hände geben? Das würde ja aller Sittlichkeit und Moral ins Gesicht schlagen! Des Spaßes halber gebe ich die betreffenden Stellen wieder, wie sie bei Bürger und im Lesebuch lauten: 180

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