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Der Anfang · 1913-06-01 · Heft 2 (Juni 1913) · p. Seite 46

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 2 (Juni 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 46 (sequence 15)
Language
German
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nicht erschauernd gefüllt, konnte so alle Distanzäerung der Geschlechter vernichten, so kalberig tändeln. Kälber überhaupt: kfie Zupfgeigen und kurzen Hosen erregten mir Widerwillen: standen hier nicht Dinge aus dem zwanzigsetn Säfcul'um aiuf dem Tapet? ,Wir kamen herangetobt als eine Horde von jungen und rassigen Oermanen, die den Geist ihrer Zeit aus Maschine und Großstadt hatten sprechen hören, die sich in den Rhythmus dieser Zeit hineingestellt hatten und glaubten, kraft ihrer Jugend seien sie die berufensten Vertreter des neuen Geistes, und seine Anwälte gegen die biedermeierische oder hellasschwärmende Generation der Oberlehrer. Wie vertrug sich dieser Geist, dieser eherne RhytWtmls, die$e wilde Vitalität, dieses strenge, steil aufwärts ragende Liniensystem mit Mandolinengegirr und kurzer Hose? Sachlichkeit, meine Herren! Wir verstanden jede Boheme als die leidenschaftliche Lebensart dessen, der die ganze Schale biedermeierisch-bourgeoisen Gehabens gesprengt, weil er sich unter den Geist der neuen Zeit stellen wollte, wenngleich er den Eingang in die strengen, aktiven, ins Getriebe greifenden Berufe dieser Zeit nicht gefunden: Jean-Arthur Rimbaud war unser Gott; er floh die Behausungen der Bourgeois und wollte durch die Boheme zum Herrschertum des Kaufmanns: il faut etre absolument moderne — aber wir verstanden nicht irgend eine Art von Romantik, wie sie der Wandervogel als Jugendgeist kultiviert wissen wollte: zum höchsten die schweifende, sinnliche Romantik der Pubertät. So hatten wir mit Lachen, Hohn und Verachtung uns mit den Ungeistern dieser Stadt und dieses Festes herumgebalgt, bevor noch die Schlacht eröffnet war. Die begann eines Abends mit leichtem Geplänkel; unser Aushängeschild, der verehrte Herr Oberlehrer, hielt eine Rede, die vorzüglich1 der milden und sanftmütigen Tönung seines hellblonden Bartes angepaßt wiar; dann kam B., der Leiter des Bundes: schon ein ganz anderer Kefl — norddeutsch, jung (Seminarist), Diplomat erster Güte, von einer unglaublichen Energie 'und von dem unbeugsamen Willen beseelt, dem Bunde Geltung zu verschaffen, seine Mitgliederzahl zu vergrößern. Aber geradle dieser Wille Zur Macht trieb ihn auf die Bahn des Reaktionären} verführte ihn, sich an die AjHen .und die Oberlehrer heranziupürsdhlen und mit ihnen Kompromisse a{u schließen — schließlich .die Oberlehrer in den Bund hin einzuziehen, die Verwaltung aiusi den Händen 47

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