Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 44 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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febensdurstig nichtsdestoweniger. Im Cafe Kröpke aßen wir, in bewußter Rauhbeinigkeit, Pastete und dazte Fruchteis; im Cafe Maxim saßen wir und träumten von kiarnevalistischer Ausgelassenheit, die durch die prunkhaften Säle getollt war. — In Kassel an der Bahn die Bundesbrüder; sehr anders a!si wir: vornehm .geschniegelt. Die Leute machen einen verdächtig janständigen Eindruck. — Goddam, ist das eine Stadt! Großstadt? Elektrische fahren; aber die Steinmassen stehen sehr unbeteiligt daneben: plump, steif, ungelenkig. Kaum grüne Inseln dazwischen. Unglaubliche Farben auf den Reklamen; nichts von lachender, heller, stürmender Modernität - wie anders Hamburg! — Manchmal Konditorträume. Und die Leute? Langweilige Bürger; die Jugend: feudaler Pennalismus. Auf der Bude des Kasseler Leithammels — hinauf führten bfceite Estraden (irre ich nicht, imitierter Marmor) — ging die Quartfett- Verteilung vor sich: wir, die wir kein Geld hatten im Hotel zu. logieren, und nicht das Glüdk, in Privatwohnungen unterzukommen - wurden auf einen Heuboden im Vorort gewiesen. Um so besser; man konnte dann nächtlich schweifen, solange man wollte. Jan war auch da; ich stritt mit ihm über Lagarde und Nietzsche; Nietzsches Aristokratismus erklärte ich für dekadent; wö er durch Darwins Schule gegangen war, pries ich ihn und faßte so den U ebermenschen auf; die shäkespearehkfte Derbheit des Eselsfestes sei beinähe gutes Variete (und Nietesche hätte mehr von diesem fernen sollen). — Kassel bei Nacht: homerisches Gelächter meinerseits; kaum ein Mensch1 auf der Straße; nur hinter geschlossenen Fensterläden saßen Philister, spielten Skat und süffelten Dividendenjauche. Da schrie uns die Wunderhalle entgegen; aber drinnen war's ein stagnierender Tiüimpel, ein kleines Sumpfloch; glitschige Lüsternheit statt elastischer Sinnlichkeit und derber Lust; nur da, — am anderen Abend, eine Reilte Mädchen, (und darunter eine g^tnz Kleine, Junge), alle mit mädchenhaft-unausgereiften Leibern, die auf dem Podium standen und mit dünnen Stimmen ein Couplet sangen, immer mit dem Refrain: bei einem Glase mousseux •— da gähnte so etwas auf wie grausiges Schidksal seelenlosier Leiber — und wir entsetzten uns, mit Freude an diesem Entsetzen, das doch wenigstens etwas war. — Ich definierte: weiter im Süden Deutschlands hat man 45