Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 1 (Mai 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Klassenspiegel Es ist kein gutes Zeichen für Schüler und Lehrer, daß das Schimpfen noch immer übliöh ist. Ich glaube, das rührt noch aus der Militärzeit der Lehrer her. Man sollte deshalb allein schon den Lehrern den Militärdienst verbieten. Professor.....sagte heute: „Sie haben nichts zu denken! Sie haben zu wissen, daß Sie lernen müssen!" Dieser Ausspruch charakterisiert unsern Gymnasialbetrieb. Wer seine eigenen Oedanken verfolgt, wird wieder verfolgt werden. Ein ungeschriebenes, mit drakonischer Strenge gehandhabtes Gesetz. Es gibt auch unter den Gymnasiasten viele Freunde des Gymnasiums. Das sind solche, die außerordentliches Glück mit ihren Lehrern hatten; solche, die intensivstes Interesse für Latein oder Griechisch haben; solche, die stumpf sind oder wurden. Und der Stumpfen ist Legion. Kann ich dafür, daß ich kein Glück hatte? Kann ich dafür, daß ich mich für alles auf der Welt interessiere, nur nicht für Grammatik und Trigonometrie? Ich gebe zu, daß die vielen, die so sind wie ich, nicht die Mehrzahl bilden. Was man nicht zu wissen braucht und was man wissen muß. Wenn man nicht versteht, wie ein Parlamentsbeschluß zustande kommt, macht es nichts; wenn man nicht weiß, wie der Mensch lebt; wenn man nicht weiß, wie und wo man Krankheiten bekommt, das ist gleichgültig; auch das macht nichts, wenn man sich nicht vorstellen kann, wie Sprache und Grammatik entstand; aber wehe, wehe dem, der nicht weiß, in welchem Jahr die goldene Bulle erlassen wurde, der nicht weiß, was die Hawersschen Kanalchen sind, wehe, wehe, wehe dem, der den Optativ Aoristi 2. von xi'%u nicht kennt! Der Oktavaner aus dem „Classenbuch". 20