Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 9 Jahrgang = Jahr 5611 (1850)
- Date
- 1850-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 119)
- Language
- German
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120 Rückblick auf die chen Fortschrittes eine unheilbare Niederlage erlitten. Schon am 17. erschien eine Kundmachung des Ministeriums, worin das« selbe erklärte, das es zwar, „vor allem berufen, die geheiligte Person des Monarchen, den konstitutionellen Thron, und die ernstlich bedrohte Sicherheit der Stadt zu schützen, zugleich aber die Ueberzeugung zu befestigen, daß der Monarch zu jedem mir dem Gesammtwohl verträglichen Zugeständniß geneigt sei," die Verantwortlichkeit übernommen habe, die gemachten Forderungen zu genehmigen, daß sie jedoch durch diese Vorgänge und durch ihren Schritt die Kraft und die Mittel gelähmt fühlten, der Krone ferner zu dienen, weßhalb sie ihre Stellen in die Hand des Monarchen niedergelegt hätten; während sich dies öffentlich und vor Aller Augen zutrug, waren die Camarilla des Hofes am Werk gewesen, um den Kaiser und der kaiserlichen Familie, denen die aufrührerischen Vorgänge in der Burg selbst nicht hatten verborgen bleiben können, diese Ereignisse von der schwärzesten Seite vorzustellen und die hohen Personen zu einer bereits vorbereiteten Flucht nach Innsbruck zu verleiten, die am 17. Abends in aller Stille ausgeführt wurde. Am 18. Mai wurde der Central-Ausschuß der National- Garde aufgelöst, an dessen Stelle ein vom Magistrat bestellter Sicherheitsausschuß, unter Graf Breuner's Vorsitz, in Thätigkeir gesetzt. Die entschiedenste Gesinnung für Ordnung und Recht belebte die Nationalgarde und Wiens Bürgerschaft. Allein den Ruhestörern war damit nicht gedient, und leider gab die Gegenpartei denselben arge Blößen. Schon daß am 25. ein kaiserliches Manifest vom 20. Mai ohne ministerielle Gegenzeichnung erschien und unter harter Anklage der Wiener nicht undeutlich durchblicken ließ, daß man sich an die — obwohl im Sturme geforderten, doch im formell verfassungsmäßigen Wege bewilligten — Zugeständnis nicht gebunden achte, erregte Anstoß, noch mehr aber der überstürzte Eifer, mit dem der freie Entschluß der akademischen Legion, sich aufzulösen, als er sich zu verzögern schien, erzwungen werden solle. Der erste übereilte Schritt war der des Grafen Colloredo - Mannsfeld, welcher der Legion die Wahl stellte, sich aufzulösen, oder seine Niederlegung anzunehmen, wodurch er nur reizte, nicht förderte. Der zweite