Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 341)
- Language
- German
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204 Er aber sprach, und Zähren Umflossen sein Gesicht, — Der Thränen mich erwehren, Ich könnt es selber nicht — „Nicht will ich Euch betrügen, Das Hab' ich nie gethan, Ich Hab' nicht tausend liegen, Und bin kein reicher Mann. „Dies Eine ist mein eigen Auf dieser großen Welt, Dies muß ich immer zeigen, Es ist mein Reisegeld *). „An jedem Grenzgebiete An aller Städte Thor, Da zeig' ich, so ist's Sitte, Den einen Louisd'or. „Ich wechsle diesen nimmer Und zieh von Land öu Land; Verschmachtend —■ zeig ich immer Das Goldstück in der Hand." Mich rührte tief des Armen So jammervoller Stand; Mein Herz fühlt' ich erwärmen— Er ist mir anverwandt! i Ich fühlt', daß ich ihn kannte, I Den Wandrer, der nie ruht — j Das ist der längst Verbannte — : Das ist der ew'ge Jud'. Das Goldstück wie den Glauben, Er wechselt nimmer sie; Die Zeit kann ihm nicht rauben i Was ihm sein Gott verlieh. Er ist beglückt im Leiden, Und hocherfreut im Schmerz, j Die Welt und ihre Freuden Sind ihm nur Spiel und Scherz. So zieht er durch die Reiche Mit wechselndem Geschick,! Der einz'ge ewig Gleiche —! Zu Gott gewandt den Blick. Und naht er einst den Pforten! Am ew'gen Himmelzelt — j Man öffnet gern ihm dorten,! Er hat sein Reisegeld. i Er hat ein ewig Schreiben, i Geflegelt ist's mit Blut,! Hin, aufwärts ist sein Treiben, I Er ist der ewige Jud'. — *) Bekanntlich haben in Deutschland, wo das öffentliche Betteln streng verpönt ist, die ärmern Wanderer ihr Reisegeld (mindestens einen Louisd'or) den Gränzbehörden als Legitimation ihres Vermögensstandes vorzuzeigen.