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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · p. Seite 278

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 278 (sequence 326)
Language
German
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278 Die periodische Literatur. Es ist nicht zu läugnen, die Zeitung des Zudenthums hatte einem wirklichen Zeitbedürfnisse entsprochen, und bildet ein wichtiges Moment in der Geschichte der Gemeinden-Organisation. Alles, was das Gemeindewohl, selbst der entlegensten Orte, betraf, kam da zur Sprache , ältere gute Einrichtungen wurden mit Lob erwähnt, neue projektirt, Mißstände mit Tadel gerügt, und Verbesserungen vorgeschlagen. So manches Gute wäre unterblieben, wäre die Zeitung des Judenthums nicht da, manche schöne Veranstaltung wurde nicht selten nur deßhalb getroffen, um sie in der Zeitung des Judenthmns herausstreichen zu können. Die angefangenen Reformen im Gottesdienst und im Schulwesen fanden jetzt allgemeine Theilnahme und Aufmerksamkeit, man widmete denselben jetzt eine Sorgfalt, wie es sonst nicht leicht zu erwarten stand. Die Gemeinden, indem sie sich wechselseitig genau kannten, wetteiferten mit einander in Erstrebung des Zeitgemäßern und Bessern. Gestehen muß man aber auch , daß diese, wie überhaupt das Zeitungswesen, die Ursache nicht wenigen Verdrusses und Aergernisses gewesen, so manchem Biedermanne wurde durch einen einzigen Zeitungsartikel die Ehre abgeschnitten, so mancher fühlte sich unverdienterweise gekränkt und in seinem Berufe beunruhiget, indem der Verdacht oder die Mißgunst eines Einzelnen durch den Bericht in der Zeitung als von der Gesammtheit ausgehend betrachtet wurde. Die Zeitungen sind zwar unpartheiisch, aber die Unpartheilichkeit ist ein gar wunderlich Ding. Um einem Ertrem auszuweichen, verfällt man leicht in das entgegengesetzte, oder man läßt beide Partheien einander in den Haaren liegen, sich die größten Grobheiten nach Herzenslust sagen, und das aus lauter Unpartheilichkeit. Man soll alte Partheien sich aussprechen lassen, doch in gewissen Grenzen und mit Anstand, wobei der Grundton des Blattes immer vorherrschend bleiben muß, wie die weiße Farbe, welche alle Farben in sich vereiniget, und doch eine bestimmte Farbe blldet. Jedoch scheinen die Redakzionen jetzt mehr Takt zu gewinnen, un o derartige Unziemlichkeiten kommen immer weniger vor.

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