Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 323)
- Language
- German
- Belongs to
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Die periodische Literatur. 375 fürs Volk enthielt, sollte in einzelnen Nummern allwöchentlich erscheinen; das war aber freilich noch nicht an der Zeit. Um daß das Volk sich durch dieses Mittel bilde, muß es erst auf anderm Wege dazu empfänglich gemacht werden, das Lesen einer Zeitschrift und das Bedürfniß darnach setzt schon einen gewissen Grad von Bildung voraus. Das Blatt hielt sich nicht, einige Nummern erschienen, und damit war es genug. Viel mehr Glück machte der Sammler, welchen seine damaligen Jünger unter der Aegide Wessely's in hebräischer Sprache Herausgaben. Die hebräische Sprache war zu jeder Zeit, gleich der Muttersprache, von dem Volke gepstegt und geliebt, es bedurfte nur einer interessanten Form, nur jedem Produkte Eingang zu verschaffen. Und da die Bildung allemal mit der Sprache und den sprachlichen Kunstprodukten anfängt, so war auch hier die Belletristik Gegenstand dieser Zeitschrift. Nachbildungen, meistentheils Uebersetzungen aus den verschiedensten Autoren, sowohl deutschen als fremdländischen, in Prosa wie in Poesie. Eine Idylle, ein Sonnet und überhaupt ein Gedicht in modernem Geschmack, war in der hebräischen Sprache bis dahin etwas Unbekanntes, und daher interessant. Dazu kam noch der leichte angenehme Styl, aus Bibelausdrücken geistreich zusammengesetzt, der noch heutigen Tages in nicht geringem Ansehen steht. Dieß war aber auch das einzig geeignete Mittel, um bei dem damaligen Stand der Dinge auf einschmeichelndem Wege für die Bildung festen Boden zu gewinnen. Durch das Mittel der hebräischen Sprache machte man Bekanntschaft mit den schönen und wissenschaftlichen Literaturen der europäischen Sprachen, das Fremdartige verlor sein Abschreckendes, man bekam Lust zu diesen, und allmälig wurde man mit ihnen auch vertraut. So fruchtete die M end elssohn'sche Saat in der Gesammtheit der Nation, und so pflegt es noch jetzt zu geschehen bei einzelnen nach Bildung strebenden Individuen in den noch zurückftehenden Ländern, wie in Rußland und Polen. Man sängt mit einem hebräischen Gedichtchen an, man liest und schreibt welche, gilt schon einstweilen für einen Gebildeten, bis