Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 229)
- Language
- German
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Mein Ururgeoßvater M 179 bens nicht leiden wollen, ich habe aber gesagt, ich kann ihn nicht allein lassen, wenn er todtkrank ist, was er mir auch gethan hat, Hab ich gesagt, Gott mög' es ihm verzeihen, ich Habs schon längst gethan; und da bin ich hergelaufen und Hab dir kaltes Wasser ins Gesicht gespritzt und so lang deinen Namen gerufen bis du aufgekommen bist. — In Lebs großen schwarzen Augen sammelten sich Thräne zur Thräne und perlten dann die sich wieder färbende Wange hinab. Eine Zentnerlast fiel von seinem Herzen mit dieser: Thränen. — Vergib mir mein gutes geliebtes Channele, rief er und umschlang das vor Freuden immer heftiger weinende Märchen. Vergiß meine Schuld, denn wahre Liebe denkt und sieht und hört nur das Gute von dem Geliebten. Ich war in schwerer Haft, aber ich bin erlöst, durch dich gerettet, setzte er hochaufseufzend hinzu.--— An dem Sonntag darauf war ihr Versprechen; es war Derselbe Abend auf den es schon längst beschlossen war und bald sahen sich die beiden Liebenden auf immer vereint. Am Abend vor der Hochzeit an dem das Anrichten, d.h.das Aufzählen und Uebergeben der bräutlichen Mitgift war, händigte Leb zwei Drittel des Vermögens dem Rabbiner ein: ein Drittel war für ein neues Gotteshaus, das andere für arme Brautleute bestimmt. — Das letzte Drittel gedieh gut; aber Leb hielt es in Tarnowitz nicht lange aus; die Erinnerung an ein begangenes Unrecht quält uns selbst dann noch, wenn wirs schon längst verbessert haben und jeder leblose Gegenstand, jede Gasse — jedes Haus wird zum Kläger und Quäler. Der Großvater meines Großvaters, unser Reb Leb zog mit seiner überglücklichen jungen Frau bald nach Leipnik, hatte dort Kinder, Enkel und Urenkel; und wie es ihm erging so soll es uns auch und besser ergehen. —-