Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 225)
- Language
- German
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Mein Urm-großvater Leb. 175 Thür, sie war verschlossen: eine unnennbare Angst erfaßte ihn, wenn er bedachte, daß er umgeben von Dämonen jeden Augenblick ihre Besuche zu gewärtigen hat. Balv sank er auf sein Bett — balv sah er wieder hinaus auf das weite lebenloft Feld; die große Steppe war vom Mondlichte erhellt und schien ihm wie ein todtes Meer nach einem Sturm, wo er sich auf die Trümmer des Schiffes gerettet hatte und darin er so ganz allein hin und her schwankte. Immer wieder griff er sich an die Stirne, beschwor alle seine Denkgeister herauf und frug sie, ob es möglich ist, daß Gespenster ihn in Gefangenschaft hielten, ob er dazu Jahrelang durch Lernen und Grübeln in den Büchern des Wissens hingebracht hat, um sich von Wesen zu Tode ängstigen zu lassen, die er immer als Aberglaube und Phantom verlachte. Dann dachte er an die Herreise, an die entsetzlichen Worte der Frau — o dieses Weib, diese Schönheit — diese engelhafte Güte in den Zügen! Ja es war Channele, die von ihm verstoßene Geliebte. Ihr Bild warsein einziger Trost in dieser fürchterlichen zur Ewigkeit sich dehnenden Nacht; die Erinnerung an sie gab ihm für kurze Zeit den Frieden. Er sank in einen Lehnstuhl und schloß auswenige Stunden die Augen. Es war schon Morgen, als er erwachte und im Hause Lärm und Bewegung hörte; die Diener eilten Treppen auf und Treppen ab; auf dem Herde der Küche wurde schon gebacken und gebraten, in einem Zimmer hörte er summen und sprechen; er verließ seinen Sitz und trat ans Fenster. Da ging die Thüre auf und herein trat lächelnd der Wirth und erkundigte sich um sein Befinden. Ich bin todtkrank, stammelte Leb, und sank vor neuer Angst auf den Sessel. Was habt Ihr? frug erstaunt Rüben. Leb faßte sich; ein Gedanke lagerte sich wie ewige Nacht vor seinen Blicken, als sein Ouälgeist eingetreten war; der Gedanke nämlich, daß er zum Frühstück geholt würde; eher sterben als einen Bissen genießen, dachte er sich, da kam ihm plötzlich ein herrlicher Einfall und freudig fast sprang er vom Sitze und frug, gehn wir bald zum Gebete?