Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1847-01-01 · 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847) · p. Seite 168

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 168 (sequence 218)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2609281-3184086--1708-3185820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

168 Mein Ururgrvßvaler Leb. Messerchen, Bandagen, Alles in einen großen brauncottonenen Sack und war bald wieder vor dem Thore der Synagoge, vor welchem der Fremve ihn auch erwartete. Dieser Mann, der sich für den allbekannten Menschenfreund Neb Nuben Ascher ausgab, war schlank gewachsen, sehr bleich im Gesicht, hellblonden Haares und mit einem kleinen spitzigen rothen Bärtchen, der dem ohnehin schmalen Gesichte etwas Unheimliches gab. Doch war jede Bewegung gemessen, jedes Wort überlegt. Das graue Auge, das manchmal stechend war, konnte auch recht freundlich sein und das ganze Benehmen drückte das Bewußtsein von Reichthum und Würde aus. Reb Nuben schob die Hand in Lebs Arm und bald kamen beide auf dem mit einer heil. Dreifaltigkeitssäule geschmückten großen Platze, wo jetzt die Kirche und rechts das Seminarium mit dem schonen Garten ist. Rüben lächelte, als er das Erstaunen in Lebs Antlitz las, über die Schönheit des Wagens und der prächtigen vier Rappen, die stampfend den Augenblick nicht erwarten konnten, die herrlichen Glieder in Bewegung bringen zu können. Alle vier hatten lange Mähnen, die feurigsten Augen und ein kleines weißes Fleckchen auf den beiden linken Füssen. Sie setzten sich ein. Zwei Diener sprangen auf den Bock, der Kutscher schwang die lange Peitsche und hinaus gings über die kleine Brücke der Brünner Straße zu. Sie mochten schon zwei Stunden gefahren sein, während welcher beide sich mit gelehrten und andern Gesprächen aufs Beste unterhielten, als Leb den Kopf zum Wagenfenster hinausbog und mit Erstaunen bemerkte, daß sie längst von der Hauprsahrstraße in einen ihm völlig unbekannten Nebenweg eingebogen hatten. Der Kutscher ist vielleicht irrgefahren, frug er seinen bleichen Nachbar. Mein Haus liegt abwärts, antwortete der mit gedehnter Stimme und wir sind bald am Ziele. Und weiter gings im sausenden Galoppe, rechts und links erhoben sich hohe Berge, deren Gerolle weit bis in den Weg hmeinlagen, so daß der Wagen, von den dahinstürmenden schnaubenden Pferden gezogen, hin und her schwankte, bald rechts

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.