Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 214)
- Language
- German
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164 Mein Urutgroßvater Leb. Leb schob lachend das Sammtkäppchen noch schiefer als es schon saß, ringelte die langen dünnen Seidenlöckchen der schwarzen glänzenden Haare um den Zeigefinger, und rief: laßt hören Reb Hasch! Ihr wißt, begann jener, daß unter unseres weisen König Salomons Regierung der Götzendienst wieder eingeführt wurde. Von der Königin von Saba und ihren Freunden, die zu Salomon kamen, wurde er mitgebracht. Hauptsächlich war's ein goldener Auerhahn, den Alte verehren mußten, weil er die Ursache war, daß König Salomon mit der Königin von Saba bekannt wurde. Denn als einmal Salomon der Weise ein großes Fest gab, hatte er auch allen Thieren sagen lassen, ein jedes muß einen -von ihrer Art hinschicken; denn er wollte seinen königlichen Gästen zeigen, daß er nicht nur alle siebzig Sprachen der Erde kenne, sondern daß er auch alle Sprachen der Thiere verstehe. Alle erschienen und der König führte seine Gäste im übermüthigsten Stolze herum, zeigte ihnen seine tausend Weiber und sagte ihnen, daß es nicht einen Fürsten im ganzen weiten Lande gäbe, der ihm nicht unterthänig und zinsbar wäre! Der Auerhahn, der das mit anhörte, rief: Verzeih' mein König, wenn ich dir widerspreche, aber die Besitzerin des Landes, wo ich herkomme, hat dir noch nie Steuer oder Zins entrichtet. Wie heißt deineHerrin, frug der entrüstete König. „Die Königin von Saba," berichtete der Auerhahn und wohnt an dem Gangesstrome. Augenblicklich ließ der König schicken nach ihr — sie kam und entzückte den König so durch ihre Schönheit und Anmuth , daß sie bei ihm bleiben mußte. An einem der Hauptplätze Jerusalems wurde ein großer Altar erbaut und darauf das golvene Bild des Auerhahns gesetzt mit dem Befehle, daß jeder das Knie vor dem Götterbilde beugen muß. Viele aus der verlockten undenkenden Menge folgten dem Befehle, schloßen bacchantische Kreise um den Götzen, tranken und sangen ihm zu Ehren und beteten ihn an. Eines Tages ertappte man einen alten frommen Juden, der gekränkt von dem Verfalle des wahren Glaubens, den Götzen zertrümmerte. Es war Todesstrafe Darauf und er wurde zu dem Richter vor den Thoren hinaus-