Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 200)
- Language
- German
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150 Mein ttrurgroßvater Leb. Er war eingeschlafen, sie legte ihn in sein kleines Bettlein, deckte ihn zu, küßte ihn auf die Stirne und trat zum Tisch. Noch saß die Schwester sinnend im düstern Brüten verloren; Channele zündete ein Licht an, reichte der Schwester die Hand und sagte lächelnd aber doch mit einem fast mitleidigen, traurigen Tone — Gute Nacht Resel. Die Schwester drückte zärtlich die dargebotene Hand und wiederholte gedehnt — Gute Nacht. Channele mochte ahnen, daß die sonst eben nicht wortarme Schwester mehr zu sagen hätte, wobl aber nur wegen Fülle des Stoffs den Anfang suche und so blieb sie auch beim Tische stehen und sah auch sinnend in die kleine Flamme. Mir soll man das Licht zu Kopf stellen, rief endlich die ältere Schwester auf das eine Licht zeigend, wenn mein Josseph zum Tno'mschreiben (Versprechen eines Paares) gehen darf. Leb' du hundert und zwanzig Jahr, sprach nach einer Pause Channele gelassen darauf, die an das Todtenlicht der Schwester nicht denken wollte. Mische du dich nicht in die Sachen von deinem Mann: „Kriegen sich die Freund, freuen sich die Feind." Dein Mann Josseph kann mich doch sehr gern behalten, wenn er auch auf Lebs Tno'mschreiben geht. — Aber was sagst du zu mir? rief wieder Resel, habe ich dich nicht immer gewarnt vor dem Leb, so ein — Schilt ihn nicht, bat Channele — Schilt ihn nicht; möge er glücklich sein wo er lebt und mit wem er lebt. Gut Woch! rief jetzt eine hohe dünne Stimme und die erste Spitze des dreieckigen Hutes berührend trat Reb Gavriel, des kleinen Ortes kleiner Doktor ein. Gut Woch! entgegnete die ältere, Gott's Willkomm! die jüngere Schwester. Beide erwiederten seinen Gruß nicht mit dem gehörigen: Gut Jahr; jedem Andern gibt man für den Wunsch einer guten Woche, gerne den Wunsch eines ganzen guten Jahres zurück, nur dem Doktor nicht, da man damit die Krankheit seiner Freunde wollte, wenn es dem Doktor das ganze Jahr gut gehen sollte. Reb Gavriel mochte schon diese Strenge des Wortes gewöhnt sein, oder überhörte wohl gar