Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 192)
- Language
- German
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Edler von Hönigsberg. 141 l>te einem vagen und zerflossenen Kosmopolitismus (?) huldigend, ihrer Nation, ihren Brüdern und Leidensgenossen entsagten. Diesen Herren gefällt es, den nationalen Standpunkt aufzugeben; eine Verfaffungsweise, die sie als Verräther stempelt. Das that Israel von Hönigsberg nicht, er war und blieb ein frommer Jude. Er war wohlthätig bis zur Freigebigkeit, leutselig, rechtgläubig. Viele seiner Glaubensgenossen fanden durch ihn Unterstützung, Hilfe und thätigen Beistand. In seinem Hause ging es in echt jüdischer Weise zu, er befolgte mit aufrichtiger Seele den althergebrachten Ritus, versäumte nicht das Geringste, was dazu gehört, und war in Altem, was er that und begann mitten im Geiste des Judenthums. Er hielt die Fasttage, Samstage und Feiertage streng, und gibt uns so das Muster eines jüdischen Beamten. Er erschien zwar bei Hofe, speiste jedoch, obgleich zugezogen nie an der kaiserlichen Tafel oder bei den Gastmahlew der höchsten Staatsbeamten. Ueber diesen Separatismus mag wohl Mancher seine Glossen gemacht haben, unv noch machen; ob aber mit Recht? — gewiß nicht! — Hätte er nicht so gehandelt, es siele ein schöner Moment aus seinem Leben hinweg, auf den wir zu wiederholten Malen aufmerksam machen müssen, nämlich der nationale. **) Hönigsberg starb als ein Greis von 84 Jahren am 19. Jänner 1808. Bis kurz vor seinem Tode war er mit derselben Energie und Elasticität des Geistes, die ihn sein ganzes Leben begleitet hatten, seinen Berufsgeschäften vorgestanden; *) Man erzählt sich in dieser Hinsicht eine Anekdote, die sowohl seine, als seines großen Gönners Joseph II. Gesinnungen sattsam beurkundet. Hönigsberg hatte in seinem eigenen Hause in Prag eine Betschule zum eigenen Gebrauch. Als sich der Kaiser einst in Prag befand, fiel es ihm bei, „seinen lieben Israel an einem hohen Festtage mit einem Besuche zu beehren." Im Hause angelangt,hörte er, daß Hönigsberg gerade bete. Joseph wartet also, bis er mit dem Beten zu Ende ist. (Hönigsberg sprach eben die «nwy rm&v" und durste sich nicht unterbrechen, dem Kaiser entgegen zu gehen.)