Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 6 Jahrgang = Jahr (1848) 5608 (1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 63)
- Language
- German
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10 Rückblick auf täuschungen, wo eine Zuversicht, die nicht auch ihr Verzagen mit sich brächten? Aber der Muthlose ermattet, und seine Wirksamkeit geht zu Ende. Um so nothwendiger ist es, daß er vor dem Einzelnen die Uebersicht des Ganzen nicht verliere. Denn gerade jenes verwirrt und entmuthigt, dieses wird stets den Kranz des Sieges für das Rechte und Edle bereit haben. Ja, die Hoffnung auf das Ganze täuscht nie. Diese Betrachtungen finden ihre Bestätigung ganz besonders auf dem Gebiete, des Judenthums. Mögen wir nun nach Außen, auf die Stellung und Verhältnisse unserer Glaubensgenossen in den verschiedenen Ländern der Erde schauen; mögen wir nach Innen, auf die Kämpfe, der Meinungen und Ansichten innerhalb der Religion Jsrael's blicken — wir begegnen überall der Frage: wohin gelangen wir? Seit einer so langen Zeit gibt es die Entscheidung, ob die Juden als Bürger des Staates, als Söhne des Vaterlandes eine diesen angemessene Stellung erlangen werden — und der Raum, in welchem die Entscheidung erlangt, in welchem das Ziel so vielen Strebens und Ringens erreicht worden, ist noch sehr klein, seine Gränzen sehr umschrieben, und die Zahl unserer Glaubensgenossen, welche in jenen Ländern lebt, gerade eine geringere. Seit einer so langen Zeit ist der geistige Drang nach einer Umgestaltung unseres religiösen Lebens erwacht, machen sich die verschiedensten Richtungen auf's nachdrücklichste geltend — und wo wäre das Ziel gefunden, welches das allein richtige ist, welches eben so wesentlich die Erhaltung unserer Religion und ihrer Momente, wie die Auffassung derselben auf der gegenwärtigen Kulturstufe der Menschheit umschließen muß? Auf der einen Seite das starre Zurückhalten in vergangenen Jahrhunderten, die nimmer wiederkehren, in Verhältnissen, dielängst geschwunden; auf der andern das rasche Verflüchtigen in Wesenlosigkeit, Gestaltungslosigkeit, Unselbstständigkeit. Daher auf der einen Seite die Klage über den gänzlichen Ruin der Religion, auf der andern über die Verdumpfung und Unterdrückung des Geistes. Also erscheint uns das Bild der Gegenwart, und die Wehmuth über nutzloses und gefährliches Kämpfen und Ringen bleibet nicht aus.