Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 319)
- Language
- German
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296 Das alt' Badete. erhob das Großmütterlein jammernd die Stimme und rief aus: Ach und weh geschrien! Was ist das für eine Zeit, wo die Kinder so schlecht sind geworden, daß sie ,,poßle Zizes" (schlechte Schaufäden) tragen! Warum hat mick Gott nicht lange schon von der Welt genomnren, daß ich das auf meine alten Tag muß sehen! Maierl, Maierl, was möchte der Dede (Großvater) sagen, wenn er das wüßte? In seinem Grab tnöcht er sich umdrehen, und Ach und Weh schreien über sein Jnigel was so schlecht ist geworden! Aber der Schem boruch hu Der, dessen (Name gelobt sei) hat dich auch dafür gestraft, weil du so ein „Posche Jisrael" (Abtrünniger von Israel) bist, und so wird ers jedem Kind machen, was nicht besser wird als du. Das war' dir nicht zugekommen, Maierl, wärst du kein so schlechtes Kind geworden. Ach und Weh geschrieen, es gibt gar kein Judeakind mehr auf d r Welt-, es ist alles schlecht, alles schlecht." So klagte das Großmütterlein in gerechtem Schmerze, und seine Worte wären dießmal auf kräftigem Boden aufgekeimt — wenn sie der Knabe nur gehört hätte. Der aber lag wieder in tiefer Ohnmacht, in tieferer, als vorher. Als das Großmütterlein diesen Zustand bemerkte, that es einen Schrei des Entsetzens, und stürzte auf den Knaben, den es während des Redens hatte zurückfinken lassen. Kalte Bespritzungen aus dem Waschbecken brachten das schwarze Maierl nach einigen Augenblicken wieder zur Besinnung! Jetzt klagte das Großmütterchen nicht mehr; es beeilte sich vielmehr den Knaben ins Bett zu bringen. Es kostete einige Mühe bis das schwarze Maierl unter der Decke war. Mit zitternden Händen legte das Babele ihm die Kopfkissen zurecht, schob und reckte die Decke, daß die Füße warm lagen, und bedeckte ihm den Hals und die Hände. Dann nahm sie den Schlüsselbund, der auf dem Tische lag, und schloß mit einem Schlüssel den altert Schrank auf. Da stöberte sie lange, lange herum. Ein trockenes Husten verrieth, daß sie den Gegenstand gefunden haben mußte, den sie so eifrig suchte. Es war eine Reliquie aus alten längst entschwundenen Tagen, eine Reliquie, deren einstmaliger Besitzer schon lange eine