Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 252)
- Language
- German
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228 Joseph Perl, stuhl der Oeffentlichkeit zu ziehen und die Mittel zur Besserung und Heilung anzurathen! — In derselben Epoche schrieb auch Perl zwei interessante Brochüren, nämlich sehr humoristisch gehaltene Selbst-Recensionen des Megalteh Temirin und , welche stark sarkastische Ausfälle gegen manche Gebrechen einiger benachbarten Gemeinden enthält, so wie auch einige gehaltreiche Aufsätze in sehr schönem hebräischen Style für den ~,nn uTD des zum Betrübniß zahlreicher Freunde unlängst Hingeschiedenen, wackern und lieben Samuel Leib Goldenberg. Leiderhaben schon damals (1837) diese verschiedenartigen 'Anstrengungen am Lebenskerne Perls zu nagen begonnen und den Keim zu jener deletären Krankheit gelegt, der zwei Jahre später dieses theuere Leben unterliegen mußte! — Eben diese letzten zwei Jahre können mit allem Rechte die Sturm - und Drangperiode im Leben Perls genannt werden. Mit den im Gottesdienste begonnenen Veränderungen drängte sich seinem klaren, hellsehenden Verstände der Gedanke auf, wie Roth es thue, einen tüchtigen Rabbiner herbeizuziehen, der bei orthodor frommem Lebenswandel, bei ausgezeichneten talmudischen Kenntnissen, auch vom Geiste abendländischer Wissenschaft erleuchtet ist, und der allein im Stande wäre, die sich noch immer schroff gegenüber stehenden Partheien zu versöhnen. Perl verhehlte es sich nämlich nicht, daß nur ein kleinerer Jheil der Gemeinde seine Kinder in die Schule schicke, daß ein ganzer Kohors von Finsterlingen ihn zwar gewähren lasse; aber seine Anstalt mit all ihren ruhmvollen Einrichtungen als 'Abfall vom orthodoren Judenthume betrachte und mit verbissenem Grimme in ein feindliches Lager sich versammelt halte. Diesen großen Akt der Versöhnung herbeiführen zu können , schien ihm Niemand mehr geeignet, als sein theuerer Jugendfreund, der berühmte Salomon Leib R a p o p o r t, und als gerade zu der Zeit durch eine unheilbare Geisteskrankheit, des im hohen Greisenalter stehenden frühem Rabbiners, die Stelle erledigt wurde, ward gegen Ende des Jahres 1887 un-