Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 167)
- Language
- German
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140 Skizze einer Geschichte Ungewißheit offen bekennend. Eine quellenmäßige Besprechung und Erörterung vieler Einzelheiten muß einem geeignetern Orte Vorbehalten bleiben. 1. Begriff des Karaismus. Man ist gewohnt den Karaismus gegenüber dem R a bbinismus als eine Art Protestation anzusehen, und die beiven Bekenntnisse so zu betrachten, als stünde ersterer zum letztem im Verhältnisse des Protestantismus zum Katholicismus. Einige bezeichnen ihn als den unbedingten Widerspruch gegen Tradition und rabbinische Satzungen, andere als den Nationalismus gegen Pietismus oder gegen supernaturalistische Ansichten, oder als Kritik gegen Autorität, und wie die Gegensätze sonst heißen mögen. Es ist nun allerdings wahr, daß einzelne Züge sich in demselben finden, welche dergleichen Beziehungen rechtfertigen, aber der Gesammtcharakter kann durch keine derselben ausgedrückt werden, indem der Karaismus auch wiederum viele Elemente des angeblichen rabbinischen Gegensatzes enthält. Dies liegt in der Natur einer religiösen Controverse, so fern sie nur überhaupt eine Beweisführung zuläßt, denn während jede Seite ihre Rechtfertigung auf philosophischem Wege sucht, behält sie doch auch des Positiven, aus das sie sich wiederum beruft, so viel, um den Verstandesschlüssen, welche leicht von der Religion abführen, das Gegengewicht zu halten. Und so darf es nicht wundern, wenn in neuerer Zeit von Halbkundigen bald der Karaismus, bald der Rabbinismus für das eigentliche fortschreitende Prinzip ausgegeben wurde, indem dem andern Theile immer zugleich der Stillstand nachgewiesen wird. Wir haben, offen gesagt, vergeblich danach gestrebt, das Prinzip, welches im Karaismus lebt, so kurzweg mit einem charakteristischen Worte auszudrücken, wie dies heutiges Tages bei ähnlichen Materien üblich ist. Ja, wir möchten alle solche, wenn auch sonst geistreichen, Schlagwörter stets mit Mißtrauen betrachten, und halten sie meist für irreleitend. Uns scheine es richtiger, die wesentlichsten Merkmale anzugeben, worin sich