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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1846-01-01 · 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846) · p. Seite 78

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 78 (sequence 107)
Language
German
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76 Geschichte der Zuerst bewährte sich das Sprichwort au der Tyrnauer Judengemeinde. Vier Jahre nach Matthias Tod, im Jahre 1494, in welchem König Wladislaw von den Juden, gleichwie von den Bürgern, einen Geldvorschuß erhoben, ist ein Frevel an jener Judenschaft verübt worden, welcher bis dahin auf ungarischem Boden etwas Unerhörtes war. Zwölf jüdische Männer und zwei Weiber, so erzählt Bons in, wurden beschuldiget, einen christlichen Knaben, der von seinen Eltern vermißt, und in der Judengasse gesehen wurde, getödtet zu haben. Die in Untersuchung genommenen zwei alten Weiber, — daß man die Männer inquirirt habe, wird nicht berichtet; wahrscheinlich hoffte man den Weibern leichter ein Geständniß zu erpressen, — bekannten, von der Angst vor der Folter getrieben'), das Verbrechen, dessen sie bezüchtigt wurden, verübt zu haben. Auf Befehl des Reichspalatins wurden mm die Beschuldigten verbrannt, Andere zu einer beträchtlichell Geldbuße verurtheur ). Von einer Verbannung der jüdischen Einwohner aus Tyrnau wird zwar von Bonfin nichts berichtet"); aber ohne Zweifel haben die Schutzlosen freiwillig die Stadt verlassen, wo die Aussage von zwei geängstigten alten Weibern solches Unglück über sie gebracht hatte. Später gestattete die Stadt Tyrnau keinem Juden die Niederlassung, bis sie durch Joseph II. und auf umfassendere Weise durch den neun und zwanzigsten Gesetzartikel des Jahres 1849 dazu gezwungen wurde. Manche Leser dürften es auffallend finden, daß der höchste Staatsbeamte ein solches Verfahren billigen, ja sogar befehlen konnte. Es ist also zum Verständnisse und zur Beurtheilung der berichteten Thatsachen unerläßlich zu erwähnen, daß der Palatin, von welchem der erwähnte Befehl allsgegangen, kein 1) mein lornienlorum adaclae. 3) Honf. Dec. V. Liber III. pag. 52,T M Kaprinai erwähnt, daß eine 'Ausschaffung geschah, und daß damit der Befehl verbunden wurde, es sott in Zukunft kein Jude das Weichbild der Stadt Tyrnau berühren. Uns scheint dieser Befehl lpatern Ursprungs zu sein. Nach Kaprinai hießen die zwei Tyrnauer Iudengaffen I e r u s a l m und I er i ch o.

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