Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 5 Jahrgang = Jahr (1847) 5607 (1846)
- Date
- 1846-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 66)
- Language
- German
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36 Rückblick auf Ungarn verlangt und aus Ungarn berichtet wird, daß die Juden urit Eifer sich dem magyarischen Element amalgamiren: so fängt dies auch in Böhmen an, mit dem Czechischen Platz zu greifen, und Slaven und Juden beginnen sich zu befreunden. Es treten jüdische Dichter in der slavischen Sprache auf, z. B. Siegfried Kapper. Czechische Schulen für Juden werden angelegt, z. B. Ln Kosteletz, Raudnitz. So auch ergreift die czechische Zeitschrift Kwety sehr oft die Parthei der Juden *). Bei der großen Überschwemmung, welche im Frühjahre 1845 die Ufer der Moldau und Elbe heimsuchte, war am 28. 29. und 30. März Prag und besonders der größte Theil der Judenstadt hart mitgenommen. Zur Unterstützung der Verunglückten hatte sich schleunigst ein Comite gebildet; es bestand, unter dem Vorsitze des Fürsten Schwarzenberg, aus vier Mitgliedern aus dem hohen Adel, vier der vornehmsten Bürger und dem ersten israel. Gemeindevorsteher Hrn. M. I. Landau. Dieses letztere mag die ohnedieß so überaus wohlthätigen jüdischen Einwohner Wiens zu der bei dieser Gelegenheit fast beispiellosen Freigebigkeit angeeifert haben.— Herr Salomon Freiherr von Rothschild gab 10000 ft. C. M. ebensoviel die Familie des im vorigen Jahre (25. Nov.) verstorbenen unvergeßlichen Hermann Todesko und auch in Prag gaben Viele, die selbst bedeutende Verluste erlitten hatten, noch große Summen. Sehr viele, mitunter angesehene Israeliten wetteiferten darin, den Bedrängten mit wahrer Todes-Verachtung Hülfe zu bringen. In Schule und Synagoge fanden hier auch bemerkenswerthe Verändermtgen statt; Herr Markus Winternitz, seit 32 Jahren Lehrer an der von Kaiser Joseph II. gegründeten großen jüdischen Hauptschule, wurde Direktor derselben; Dr. S. I. -) Besonders glänzend zeigte sich dies wiederum in letzter Zeit, wo die elende Broschüre „Guter Rath zur Zeit der Roth" die Volksstimmen gegen die Juden auf die schmählichste Weise aufreizen wollte, im Kwety aber mit wahrer Indignation besprochen und die Parthei der Juden aufs Vorurtheilstoseste (von einem Katholiken, dennsehr geschätzten Ne be sky) vertreten wurde. Der Herausgeber.